12mal12: Edition 2014 – Eileen und Marcel Pollex von “Katze Bullshit”

12mal12: Edition 2014 – Eileen und Marcel Pollex von “Katze Bullshit”

Ältere Semester könnten es für ein Pixi-Buch für Erwachsene halten, Vertreter der jüngeren Generation fragen sich vielleicht, wer die losen CD-Booklets liegen gelassen hat. Aber alle Neugierigen werden belohnt: Greifen sie zu, so halten sie mit “12mal12″ ein seltenes Kleinod in der Hand, das es künstlerisch in sich hat.

Hinter “12mal12” steckt das Kreativ-Label “Katze Bullshit” des jungen Ehepaars Eileen und Marcel Pollex, die zuvor bereits ein Kulturmagazin herausgegeben und sich einen Namen in der regionalen Autorenszene gemacht hatten. Nach einer kreativen Schaffenspause packte sie vor drei Jahren erneut der Tatendrang. Herausgekommen ist ein einzigartiges Kunstmagazin, das sich sowohl optisch als auch inhaltlich gänzlich den gängigen Normen und Konventionen verweigert. Mit Erfolg! Schon die ersten beiden Ausgaben waren innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Und trotz einjähriger Abstinenz – 2013 gab es kein “12mal12″ – und verdoppelter Auflage wird auch die am kommenden Freitag erscheinende Edition 2014 garantiert kein Ladenhüter.

Wir haben uns mit den beiden vorab zu einem ausführlichen Gespräch getroffen. Über vielerorts zu viele Worte statt konkreter Taten, die Abgründe des Anzeigenverkaufs sowie die Hürden beim Herausgeben eines Stadtmagazins. Und natürlich darüber, was es mit “12mal12” und “Katze Bullshit” überhaupt auf sich hat. Also: Lesen und am Freitag die Läden stürmen!


Bevor wir zu “12mal12″ kommen, stellt euch doch erst einmal kurz vor!

Eileen Pollex, Katze Bullshit und Marcel Pollex. Foto: Rasmus Bell.

Eileen Pollex, Katze Bullshit und Marcel Pollex. Foto: Rasmus Bell.

Marcel: Ich bin 35 Jahre alt, Mediengestalter und Autor. 2005 haben Eileen und ich gemeinsam ein regionales Kulturmagazin namens “Szens” herausgegeben und darüber erstmals Kontakt zur hiesigen Autorenszene geknüpft, zum Beispiel zur “Bumsdorfer Auslese”. Im März 2013 habe ich dann mit Finn Bostelmann und Sven Waida “Kopf & Kragen” gegründet. Mein Knowhow als Mediengestalter war auch ein bisschen die Voraussetzung, um überhaupt “Szens” zu machen. Auch “12mal12″ hätten wir wahrscheinlich nicht ins Leben gerufen, wenn wir uns erst noch eine dritte Person hätten suchen müssen, die uns kostenlos ein Magazin zusammenbaut. *lacht*

Eileen: Ich bin 31 Jahre alt und studierte Kulturwissenschaftlerin. Zusammen mit Marcel betreibe ich unter dem Label “Katze Bullshit” unterschiedliche Projekte in Braunschweig. Unter anderem “12mal12″ aber eben auch “Kopf & Kragen”. Bis vor kurzem hatten wir auch noch eine Seite in der Subway. Das machen wir alles nebenberuflich. Ich bin dabei eher nicht so der kreative Part, sondern kümmere mich vorwiegend um organisatorische Dinge.

Was hat es denn mit dieser “Katze Bullshit” auf sich?

Eileen: Der Name leitet sich vom englischen Kraftausdruck “Cut the bullshit!” ab, was frei übersetzt so viel bedeutet wie “Hör auf zu labern!”. Also nicht nur zu reden, sondern selbst aktiv zu werden. Sich nicht ständig bloß über die Dinge aufzuregen, die in Braunschweig vielleicht nicht so gut laufen, sondern stattdessen etwas Eigenes entgegenzusetzen.

Marcel: Uns wurde einfach klar, dass wir eigentlich Projektemacher sind. Daher wollten wir, dass alle Sachen, die wir machen, unter einem Label laufen. Damit die Leute merken, dass wenn ihnen ein Projekt von uns gefällt, sie mit großer Wahrscheinlichkeit auch eines der anderen mögen werden.

Wie kam es dazu, dass ihr mit “Szens” ein eigenes Magazin herausgegeben habt, und was ist daraus geworden?

Marcel: Irgendwann kam uns die Idee, dass ein Kulturmagazin doch eine tolle Sache wäre. Wir haben dann insgesamt vier Ausgaben rausgebracht. Dazu muss man wissen, dass wir überhaupt keine Marketingmenschen sind. Anzeigenverkauf ist so ziemlich das räudigste, was man überhaupt machen kann. *lacht* Und wir sind kläglich daran gescheitert. Wir hatten 60 hochwertige Seiten, und es ist wirklich richtig teuer, so etwas drucken zu lassen. Die letzte Ausgabe im März 2007 war dann zwar plus/minus Null, aber dafür trotzdem einfach viel zu viel Aufwand.

Eileen: Wenn man wirklich ein kommerzielles Stadtmagazin herausgeben will, muss man halt auch viele Sachen machen, auf die man überhaupt keine Lust hat: Veranstaltungskalender, Anzeigenverkäufe, etc. Total unkreative Tätigkeiten eben, für die man nicht unentgeltlich seine Freizeit opfern will.

Marcel: Aber die ganze Sache war für uns schon wichtiges Lehrgeld. Die vielen Kontakte, das ganze Klinkenputzen. Zu merken, so funktioniert es für uns – und so eben nicht.

Aber Ihr seid trotzdem dabei geblieben, habt “12mal12″ ins Leben gerufen, und bald erscheint die dritte Ausgabe. Offenbar hat euch der Gedanke an ein eigenes Magazin doch nicht losgelassen. Was hat euch einen zweiten Anlauf wagen lassen?

Marcel: Ich weiß noch, dass ich einen wahnsinnigen Tag im Büro hinter mich gebracht hatte. Dann bin ich nach Hause gekommen und habe zu Eileen gesagt “Lass uns unbedingt wieder irgendwas machen!”. Diesmal war mir aber von Anfang an klar, dass der finanzielle Aspekt außen vor sein muss, dass ich nichts damit zu tun haben möchte, Anzeigen zu verkaufen. Und so kam uns die Idee zu einem ganz kleinen, nicht-kommerziellen Projekt.

Eileen: Dann ging alles Schlag auf Schlag, viele Dinge waren ziemlich schnell klar: Das Konzept, der Name, die Aufteilung. Dabei hatten wir uns in der Phase, in der wir uns von “Szens” erholen mussten, eigentlich gedacht, wir machen nichts mehr im Print. Überhaupt: Print, nehmen das die Leute noch mit? Und plötzlich war trotzdem die Idee da. Und dann hatten wir, nachdem das Konzept stand, das Glück, dass das Studierendenparlament der TU Braunschweig die 750 Exemplare der ersten Ausgabe finanziert hat. Und bei der zweiten Ausgabe haben sie uns dann sogar gefragt, ob wir nicht 1000 Exemplare drucken lassen wollen. Und die Auflage der dritten Ausgabe beträgt nun sogar 1500! Was aber auch der Tatsache geschuldet ist, dass auch die zweite Ausgabe von “12mal12″ innerhalb von nur zwei Wochen komplett vergriffen war.

Wie würdet ihr “12mal12″ jemandem beschreiben, der noch kein Exemplar in der Hand hatte?

Eileen: “12mal12″ ist ein Kunst- und Kultur-Portfolio im 12×12 cm kleinen Hosentaschenformat. Darin können Künstler der Stadt und Region ihr Werk in Wort und/oder Bild auf jeweils einer Seite präsentieren.

Gerald Fricke & Dennis Gajda. Foto: Marcel Pollex

Gerald Fricke & Dennis Gajda. Foto: Marcel Pollex

Und was hat es dabei mit dem Format von 12×12 cm auf sich?

Eileen: Es ist ein Stück weit als Kontrast zu einem großen Stadtmagazin gedacht. Etwas, das man einfach so einstecken kann. Es passt tatsächlich in die Hosentasche, man kann es überall mit hinnehmen. Eine Freundin von uns pendelt beispielsweise mit dem Zug und liest dann immer eine Geschichte pro Tag.

Marcel: Es ist eben nicht zu klein und nicht zu groß. Und es ist gleichzeitig auch eine Herausforderung für die Autoren, denn die maximale Zeichenanzahl beträgt nur 1650.

Und was ist der Gedanke hinter “12mal12″? Wollt ihr Künstlern aus der Region helfen, bekannter zu werden?

Marcel: Wir gehen solche Projekte nicht mit dem Gedanken an, was in der Stadt fehlt oder was gut ankommen könnte. Wir fanden die Idee an sich einfach cool. Durch “12mal12″ sieht man, dass in Braunschweig jede Menge geht. Viele Leute wissen ja gar nicht genau, was hier so alles passiert. Wir präsentieren Privatpersonen, die ansonsten eigentlich gar nicht öffentlich auftreten oder ausstellen, gleichberechtigt neben bekannten Künstlern. Auch vom Alter ist es eine generationenübergreifende Sache: Es sind sehr junge Leute dabei bis hoch ins Rentenalter. Quasi ein Querschnitt durch die regionale Künstlerszene.

Wie viele Einsendungen hattet ihr diesmal?

Eileen: Ungefähr 80, also knapp 20 mehr als bei der letzten Ausgabe. Das ist schon eine ganze Menge für Braunschweiger Verhältnisse.

Wie wählt ihr unter all den Einsendungen aus?

Marcel: Nach Qualität natürlich. *lacht* Aber Spaß beiseite: Es muss halt gut sein, in welcher Form auch immer. Vor allem muss ein eigener Stil vorhanden sein. Und gerade im Autorenbereich bin ich selbst lange genug dabei – ich sitze ja auch beim “Punchliner” in der Redaktion und lese seit Jahren viele Einsendungen – sodass ich glaube, inzwischen gute von nicht guten Sachen unterscheiden zu können.

Was erwartet uns in der kommenden Ausgabe?

Marcel: Obwohl diese Ausgabe erstmals im Sommer statt im Dezember erscheint, wird es wohl die bisher düsterste, was mir sehr gut gefällt. Es gibt viele Collagen, weniger bunte Illustrationen. Zudem haben wir zum Beispiel Jim Avignon und Jan Off dabei.

Eileen: Es werden insgesamt 37 Künstler plus ein Cover-Künstler Platz finden. Besonders stolz sind wir auch diesmal wieder auf das exklusiv für uns angefertigte Cover-Artwork. Dafür konnten wir erneut Ingo Lehnhof gewinnen. Und mehr als die Hälfte der Künstler, die veröffentlichen, sind komplett neu dabei.

Jan Egge Sedelies & NEA. Foto: Marcel Pollex

Jan Egge Sedelies & NEA. Foto: Marcel Pollex

Ist es denn schwierig, so viele Leute zu gewinnen?

Eileen: Es ist zumindest schwieriger, gleichermaßen gute Autoren wie andere Künstler zu finden. Da merkt man schon den Einfluss der HBK. Beim Schreiben ist es schwieriger, Beiträge zu bekommen, die einen gewissen Charme mitbringen und einzigartig sind. Und dann auch noch auf so begrenztem Platz.

Wann erscheint das neue “12mal12″ und wo wird es ausliegen?

Eileen: Am Freitag, den 6. Juni. Bei der ersten Ausgabe haben wir recht weit verteilt, auch in normalen Cafés und so. Aber dann haben wir gemerkt, dass wir eigentlich nur ungern neben Flyern und Werbematerial liegen. Zudem möchten wir gezielt Läden unterstützen, die wir super finden, damit die Leute denen mal ein paar Tage lang richtig die Bude einrennen. *lacht* Man wird uns also zum Beispiel im KingKing Shop, im Riptide oder bei Tatendrang-Design finden. Und diesmal unterstützen uns sogar der BBK Braunschweig und die City Galerie Wolfsburg, um uns weiter in die Region zu tragen.

Marcel: Wir hatten auch überlegt, diesmal eine Download-Version als PDF anzubieten. Aber den Gedanken haben wir schnell wieder verworfen, weil wir der Meinung sind, dass “12mal12″ auch einen Teil seines Charmes aus der begrenzten Verfügbarkeit bezieht. Damit Leute irgendwann ihren Kindern und Enkelkindern sagen, sie wollen ihr gehütetes Exemplar nicht mehr ausleihen, weil es schon so abgegriffen ist… *lacht*

Eileen und Marcel, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg mit euren Projekten!

Text: Stephen Dietl

Titelfoto: Marcel Pollex

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