Grenzgänger: Interview mit dem Anselm Tlusty Trio

Grenzgänger: Interview mit dem Anselm Tlusty Trio

Das Anselm Tlusty Trio sind die drei jungen Braunschweiger Jakob Müller (Schlagzeug), Tino Ribeiro (Bass) und Nick Leonard Tlusty (Klavier). Am 31. Oktober treten sie im Rahmen der Reformationsfeierlichkeiten der Stadt Braunschweig am Kunst-Pavillon “Tetzelkiste” der Initiative Die Stadtfinder auf dem Burgplatz auf. Im Interview verrät Nick, Namensgeber und Kopf der Band, was für das Trio den besonderen Reiz des Jazz ausmacht und was das Publikum bei ihrem Konzert am Reformationstag erwartet.

Hallo Nick! Jazz verbindet man gemeinhin eher mit gutbürgerlichen, reiferen Herren. Warum habt ihr euch als junge Menschen dem Jazz verschrieben, und was begeistert dich persönlich so sehr an der Musik?

Grundsätzlich war es nie eine bestimmte Jazz-Ästhetik oder historische Epoche, die mich interessiert hat. Jazz ist für mich eher eine Grundhaltung, die musikalische Problemstellungen improvisatorisch lösen möchte; wenngleich natürlich auch immer noch ein intellektueller Überbau spürbar sein kann. Aber wir hören auch viel Musik außerhalb des Jazz. Ich würde also gar nicht sagen, dass wir uns ausschließlich ihm verschrieben haben.

Welche Art von Jazz macht ihr, wo ordnet ihr euren Stil innerhalb der Landschaft ein?

Ich tue mich immer sehr schwer mit Stilbegriffen, und speziell in unserem Fall – wir haben uns ja erst im Frühjahr diesen Jahres zusammengetan – könnte ich mich auch nicht auf einen festlegen. Wir bewegen uns auf jeden Fall zwischen den Genregrenzen. Ich würde unsere Musik als etwas Eklektizistisches beschreiben, da für uns grundsätzlich jeder Klang und jede Form Berechtigung hat. Wahrscheinlich ist es aber auch die allgemeine Tendenz der letzten Jahre, dass der Genrebegriff “Jazz”, sich immer weiter öffnet.

Habt ihr dennoch musikalische Vorbilder, und wenn ja, welche?

Eine gemeinsames Vorbild haben wir nicht, aber es kommt bei uns einiges an Einflüssen zusammen, die jeder auf seine Art mit einbringt: Das geht von Bach über Ligeti bis hin zu Hardcore-Elementen. Aber natürlich hören wir auch die ganz Großen der Jazzgeschichte, also Coltrane, Miles Davis, Jarrett…

Was genau inspiriert euch beim Komponieren und Musizieren?

Mich interessiert derzeit vor allem, neue Formideen für das Improvisieren zu finden, die vielleicht auch anderen Bereichen entlehnt sind. Beispielsweise eine ganz klassische Sonatenform, bei der dann komponierte Themenkomplexe improvisatorisch verbunden werden. Wobei es dabei eher um die Idee geht, nicht mehr nur auf einem Thema zu improvisieren, sondern viel mehr von einem zum anderen und so fort.

Worin besteht dabei die größte Herausforderung?

Die Herausforderung besteht – besonders live – vor allem darin, seine ganze Improvisation einem dramaturgischen Plan zu unterwerfen, einem Narrativ, dessen man sich immerfort bewusst bleibt, egal was für Impulse von jedem Einzelnen auch kommen. Während des Spielens, wo man ja nicht mehr bewusst über das nachdenkt, was man macht, sondern vieles eher intuitiv geschieht, nie den großen Spannungsbogen zu verlieren, ist gar nicht so einfach.

Was erwartet die Zuschauer am 31. Oktober am Burgplatz?

Wir werden ein Set mit neuen und alten Stücken spielen. Es wird aber auch – passend zur Reformation – ein Stück von Olivier Messiaen dabei sein. Jene Zuschauer, die uns vor einiger Zeit bereits im Handelsweg sahen, werden vielleicht das eine oder andere wiedererkennen.

Wie sind eure musikalischen Zukunftspläne?

Wir spielen voraussichtlich Anfang Dezember noch ein kleines Hauskonzert in Leipzig, und dann stehen erst mal Aufnahmen an, sodass wir im nächsten Jahr eine kleine Tour in Deutschland spielen können.

Nick, vielen Dank für das Gespräch!

Das Anselm Tlusty Trio am 31.10. um 17 Uhr an der “Tetzelkiste” am Burgplatz. Eintritt frei. Weitere Informationen zum Event unter: www.facebook.com/events/324506597959634/

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