ARTGESCHOSS 2014: Citymanagerin Nina Heptner im Gespräch

ARTGESCHOSS 2014: Citymanagerin Nina Heptner im Gespräch

400 Bilder, Skulpturen und Installationen von 53 Künstlern aus aller Welt auf über 3000 m² – diesmal nicht in Berlin, nicht in Düsseldorf und auch nicht in Basel, sondern: In Wolfenbüttel, der beschaulichen Lessingstadt.

028ARTGESCHOSS, das aufwändige Wolfenbütteler Zwischennutzungsprojekt, geht heute Abend um 19:00 Uhr mit einer großen Vernissage in die zweite Runde. Schon die Erstausgabe des Kunst-Events lockte innnerhalb von drei Wochen 10.000 Besucher in die Räume der leerstehenden Hertie-immobilie mitten in der Innenstadt. 350 Werke von 42 ausgewählten Künstlern hatte das Artgeschoss 2013 zu bieten. Das dreiwöchige Kunstintermezzo hat der Kaufhaus-Brache wieder Leben eingehaucht, es wird endlich wieder gebaut. Und wie es sich für ein echtes Zwischennutzungsprojekt gehört, ist das Artgeschoss einfach weitergezogen, dieses Jahr an das andere Ende der Fußgängerzone. Jetzt erlebt das ehemalige Modehaus Steeneck & Bähr seinen zweiten Frühling als Kunstdomizil.

115Wer das langjährige Wolfenbütteler Traditionsgeschäft nicht kennt, dem weist eine überdimensionale Bronzehand den Weg. Die Bronzehand ist Teil eines Kunstpfades durch die Innenstadt, die das internationale Kulturerlebnis artgeschoss mit dem regionalen Kunsthighlight in Wolfenbüttel, dem Frühjahrs-Salon im Schloss, verbindet. Im daumendicken Artgeschoss-Ausstellungskatalog stehen diesmal 400 Werke von 53 namhaften Künstlern aus aller Welt, präsentiert auf einer Gesamtfläche von über 3000m². „Von allem noch etwas mehr“, lacht Künstler Dmitrij Schurbin und kommt ins Schwärmen: „Letzes Mal war war es schon sehr gut, diesmal wird es noch besser, noch länger, noch internationaler“.

167

Kurator Dmitrij Schurbin und Citymanagerin Nina Heptner

Schurbin muss es wissen, denn er ist nicht nur mit seinen eigenen Arbeiten, sondern auch als Kurator an der Ausstellung beteiligt. Mit feinem Blick fürs Detail hat er die verschiedenen Bilder, Skulpturen, Fotografien und Installationen harmonisch in Szene gesetzt – das fällt sofort auf beim Presserundgang durch das neue Artgeschoss, genauso wie die Qualität der Exponate. Verantwortlich für Artgeschoss ist Nina Heptner, Citymanagerin bei der Stadt Wolfenbüttel. Wir haben mit ihr vor Ort über das außergewöhnliche Kreativprojekt gesprochen.


080Nina, du bist Citymanagerin der Stadt Wolfenbüttel und kümmerst dich um die Stadtentwicklung, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Wie ist es zu dem Kunstprojekt Artgeschoss gekommen?

Nina Heptner: Dass dieses Projekt zustande gekommen ist, ist im Grunde ein sehr glücklicher Zufall. Kurz nachdem ich 2012 zur Stadt Wolfenbüttel kam, hat die Stadt die leere Hertie-Immobilie gekauft. Meine Aufgabe war es, diese große Brachfläche wieder in das Stadtleben zu integrieren. Als erstes haben wir z.B. Flohmärkte dort veranstaltet.

091Und dann hast du den jetzigen Artgeschoss-Kurator und Künstler Dmitrij Schurbin kennen gelernt?

Nina Heptner: Richtig. Ich bin selbst auch kunstinteressiert und Dmitrij und ich haben sofort angefangen, uns über ein Kunstprojekt für Wolfenbüttel Gedanken zu machen. Als dann die Hertie-Liegenschaft zur Verfügung stand, war uns beiden klar: Das ist der ideale Ort für eine Kunstausstellung.

077Wer die Stadt Wolfenbüttel kennt, weiß, dass viel Einzelhandel aus der Fußgängerzone verschwunden ist. Aber viele Beispiele zeigen, dass Kultur- und Wrtschaftsförderung Hand in Hand gehen. Ist das Artgeschoss ein Weg, um der Stadt ein neues, kreatives Gesicht zu geben?

Nina Heptner: Ja, auf jeden Fall. Wir wollen natürlich mit solchen Veranstaltungen gezielt Menschen für die Stadt Wolfenbüttel begeistern. Die Stadt hat stark unter dem Wegfall vieler Geschäfte gelitten und das Artgeschoss ist eine kreative Antwort auf diese Entwicklung. Der Erfolg im letzten Jahr hat uns gezeigt, dass das eine gute Antwort war – so gut, dass sie einfach wiederholt werden muss.

116Was ist das Besondere an der neuen Location?

Nina Heptner: Das Reizvolle ist, dass dieses Gebäude so viele Ecken und Kanten hat. Das große Fachwerkhaus besteht eigentlich aus sieben Einzelgebäuden, die über Jahrzehnte zusammenge- wachsen sind. So bietet es vielfältige Szenarien, um Kunst zu präsentieren und gibt mit seinen verwinkelten Räumen und diversen Ebenen dem Artgeschoss 2014 eine unverwechselbare Struktur und Atmosphäre.

128Kannst du uns zum Schluss noch etwas von der heutigen Vernissage verraten?

Nina Heptner: Um 19:00 Uhr geht es los, und wir rechnen damit, dass rund 40 der 53 internationalen Künstler anreisen, um bei der Vernissage live vor Ort zu sein. Es wird eine digital-analoge Live-Performance eines Videokünstlers zusammen mit einem Maler geben, und unser Symbol und Maskottchen, der Hase, wird natürlich auch dabei sein. Zur Eröffnung werden Wolfenbüttels Bürgermeister Thomas Pink und die Direktorin und Geschäftsführerin der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel, Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss, sprechen.

045Nina, vielen Dank für das Gespräch!

(je)

Fotos: Stephen Dietl

Artgeschoss 2014 (02.05.2014 – 22.06.2014)
c/o Lange Herzogstr. 34-38, Wolfenbüttel
Eintritt: 3,00€ / ermäßigt 1,50€

Hinterlasse einen Kommentar