Ausstellung „Migration – Integration“ eröffnet

Ausstellung „Migration – Integration“ eröffnet

Die Ausstellung „Migration – Integration. Fotografien von Uwe Brodmann“ ist zurzeit in der Rotunde der Öffentlichen Versicherung Braunschweig zu sehen. Am vergangenen Dienstag fand die Eröffnung statt.

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Fotograf Uwe Brodmann

Uwe Brodmann ist seit fast dreißig Jahren erfolgreich als freischaffender Fotograf tätig. Seine Architektur- und Panoramafotografien sind deutschlandweit bekannt. Der Braunschweiger Brodmann ist ein ausgewiesener Kenner der Region – weil er neugierig ist und Fragen stellt. Eine Frage, die ihn besonders bewegt, ist die nach der Lebensweise von Migranten in der Region. Anstoß hierfür waren die umstrittenen Äußerungen Thilo Sarrazins, der zahlreiche Ressentiments gegenüber Migranten in die öffentliche Debatte getragen hat. „Wir alle reden über Migranten, aber niemand weiß genau, wie sie eigentlich leben“, so Brodmann. Also forschte er nach und initiierte in Kooperation mit der Salzgitter AG das künstlerisch-dokumentarische Fotoprojekt „Migration – Integration“. Innerhalb von drei Jahren sind zahlreiche Porträts von Migranten entstanden, die sie sowohl am Arbeitsplatz als auch privat zeigen. Anhand dieser beiden exponierten Orte wird ein Einblick in die Lebenswelt von berufstätigen Migranten in der Region gegeben, mehr als sechzig dieser Porträts sind zurzeit in der Rotunde der Öffentlichen Versicherung Braunschweig zu sehen.

Die Porträts sind mit kurzen Texten versehen,_MG_4294 die die jeweiligen Migrations- und Integrationsgeschichten schildern. Damit unterstreicht Brodmann den vielschichtigen Charakter dieses Projekts. Eine Bearbeitung des Themas unter ausschließlich ästhetischen Gesichtspunkten ist für ihn keine Option und entspricht auch nicht seiner Arbeitsauffassung: Brodmann beschreitet bewusst den schmalen Grat zwischen Fotokunst und Dokumentarfotografie.

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U. Markurth

Deshalb legt Brodmann auch besonderen Wert auf die gesellschaftspolitsche Dimension des Themas Migration, das in Anbetracht des gegenwärtigen Flüchtlingselends auch Region und Stadt Braunschweig vor erhebliche Herausforderungen stellt. Es ist also kein Zufall, dass Bürgermeister Ulrich Markurth an diesem Abend das Grußwort spricht. Er plädiert für eine städtische Willkommenskultur auf der gemeinsamen Grundlage universeller Menschenrechte, da der Reiz urbaner Kultur durch die kulturelle Vielfalt ausgemacht werde. „Die Stärke Braunschweigs wird auch davon abhängen, inwieweit es gelingt, sie als Einwanderungsstadt weiter zu entwickeln“, ist Markurth überzeugt.

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K. Maywald

Auch Knud Maywald, stellvertretender Vorstandsvorsitzende der Öffentlichen Versicherung Braunschweig, betont die Chancen der Zuwanderung und verweist auf den massiv steigenden Fachkräftemangel in den kommenden zehn Jahren. „Migranten dürfen sich nicht geduldet, sie müssen sich willkommen fühlen“, fordert Maywald, der sich freut, dass auch zwei Mitarbeiter der Öffentlichen Versicherung von Brodmann porträtiert wurden: „Sie dokumentieren beispielhaft die offene Kultur unseres Unternehmens“.

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C. Kaldonek

Aber Brodmanns Fotografie besticht nicht nur durch ihren dokumentarischen Wert, sondern auch durch ihre künstlerische Qualität. Was genau Brodmanns „Idee von Fotografie“ einzigartig macht, erläutert Dramaturg und Autor Christof Kaldonek in seiner Einführung: „Man hat immer das Gefühl, mehr zu sehen, als eigentlich abgebildet werden kann. Dieses Mehr an Erkennen ist letztlich ein Mehr an Erkenntnis – und das ist das Geheimnis seiner Fotografie.“

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Uwe Brodmann: „Portrait Dr. Ehab Abu-El-Auf“

Die Ausstellung „Migration – Integration“ ist gleichzeitig Auftakt für ein Schultheaterprojekt, parallel gibt es Führungen für Schüler der Klassen 7 bis 10.

Text: Jan Engelken
Titelbild: Sebastian Heise
Fotos: Heiner Köther

„Migration – Integration“
Fotografien von Uwe Brodmann
Öffentliche Versicherung Braunschweig (Rotunde)
Theodor-Heuss-Straße 10
Eintritt frei

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