„Unter Strom“: Kurzfilm-Slam im Haus der Wissenschaft am 10. September

„Unter Strom“: Kurzfilm-Slam im Haus der Wissenschaft am 10. September

Am 10.09.2013 fand der abschließende Slam zum Kurzfilmwettbewerb „Unter Strom“ statt. Es war bereits die vierte Auflage des Wettbewerbs, der vom Haus der Wissenschaft in Zusammenarbeit mit BS|Energy veranstaltet wird. In klassischer Slam-Manier wurde im gut gefüllten Saal Veolia im HdW über die besten Beiträge abgestimmt. Das anwesende Publikum, das auch eine vierköpfige Experten-Jury umfasste, ermittelte die Sieger in den Kategorien“ Junior“ und „Senior“. SchülerInnen bis 17 Jahren sowie junge FilmemacherInnen ab 18 Jahren lockten neben Ruhm und Ehre ein Preisgeld von bis zu 500 Euro.

Die Veranstaltung begann pünktlich um 18:00 mit der „Junior“-Session und damit leider 15 Minuten zu früh für die Reporter von Kulturblog38. Der Zufall wollte es allerdings, dass wir genau pünktlich zu den nachher prämierten, letzten drei Beiträgen vor Ort waren.

Die PreisträgerInnen in der Kategorie „Junior“

Platz 3 für Oscar und Juri Arndt sowie Josua Bangel: „Unter Strom“

Das Trio präsentierte ein proto-dadaistisches Meisterwerk, in dem sich die Kohärenz der Story konsequent und zügig der speziellen Tonqualität annähert. Ein Werk der leisen Töne? – Mitnichten: Der juvenile Protagonist wird bei einem Spaziergang durch die Feldmark aus heiterem Himmel von einem Blitz getroffen. Verständlicherweise schlecht gelaunt und anscheinend orientierungslos zieht es ihn nach einer kurzen Ohnmacht in den Wald. Hier streckt der gereizte Protagonist unbeabsichtigt einen Altersgenossen nieder, indem ihm plötzlich Blitze aus den Händen fahren. Wieder bei Sinnen, ruft das Elektro-Opfer die Polizei. Der Protagonist wird zum Gejagten, findet jedoch im Wald einen Schicksalsgenossen, dem das Gleiche passiert ist und der sich dort vor der Polizei versteckt hält. Die vermeintliche Sicherheit im Wald regt beide Darsteller spontan zu einem Nickerchen auf dem Waldboden an – ein völlig unerwartetes Intermezzo, das vom Publikum mit freundlichem Lachen goutiert wird, genauso wie die liebevoll-abrupten Schnitte, die dem Betrachter immer wieder notwendige Denkpausen einräumen. Am Ende werden die beiden Jungens erst verhaftet und dann wieder freigelassen: Happy End und 100 Euro für einen ersten filmischen Gehversuch, der allerdings – im Gegensatz zu einigen Beiträgen im Senior-Contest – das Thema auf den Punkt getroffen hat.

Platz 2 für Johannes Himstedt und Joschka Büchs: „Unter Strom“

Himstedt und Büchs verpassen mit dem technisch überzeugenden und darstellerisch soliden Machwerk nur knapp den ersten Platz. Dem Alter der beiden Macher entsprechend, scheint hier schon einiges an Technik- und Lebenserfahrung in die Filmproduktion eingegangen zu sein. Die etwas langatmige, aber glasklare Story handelt von dem Versuche eines Jugendlichen, den begehrten Studienplatz in Medizin zu bekommen. Die Klarheit und Transparenz des Plots ist aber auch eine kleine Schwäche des Films: Es gelingt nicht ganz, den Spannungsbogen dauerhaft gespannt und die Parallelen zum Wettbewerbsthema exakt parallel zu halten. Kameraführung und Schnitt hinterlassen hingegen einen sehr guten Eindruck – und die sehr realistisch dargebotene Backpfeife für den Hauptdarsteller gegen Ende des Films dürfte genauso zwiebeln, wie ein beherzter Griff in die Steckdose…

Platz 1 für Nele Behrens, Denise Likomeno, Jonas Schuba und Albert Nimtz: „Timekeepers“

Die 4 Jungfilmer haben einen Suspense-Mini-Klopper geschaffen, der in seiner Machart ein wenig an The Blair Witch Project oder The Ring erinnert: Ein junger Mensch hört verfremdete Stimmen von schwarz gekleideten Gestalten, die ihn bedrängen. Ebenso geheimnisvoll wie die Inszenierung gestaltet sich der Plot – egal, auch wenn bekanntlich Spannung und Strom nicht dasselbe ist, konnte das Quartett mit guten Schnitten, einer stimmigen Atmosphäre und ausdrucksstarken Bildern überzeugen. Herzlichen Glückwunsch!

Über Trostpreise freuen sich Enna Wormstädt, Lea Pfeil, Carlotta Hensel, Diara von Lessen und Max Brüggemann für „Unter Strom“ sowie Leona Klocke und Marina Krause für „Im Strom“.

Die PreisträgerInnen in der Kategorie „Senior“

Geteilter Platz 2 für Philip Hebestreit: „Stromlos“

Die Abschlussarbeit des Mediengestalters Hebestreit lässt den Protagonisten – im Traum – in einer Welt ohne Strom aufwachen. Kein elektrisches Licht im Badezimmer, kein Kaffee am Morgen und kein Verkehr auf den Straßen. Der plötzliche Entzug aller technischen Annehmlichkeiten lässt den Darsteller einsam und orientierungslos durch die menschenleere Stadt irren. In der folgenden Traumsequenz findet er sich plötzlich in einem Naturparadies wieder, um gleich im Anschluss von einem lauten Stakkato elektronisch-technischer Alltagsgeräusche an die reale Welt erinnert zu werden. Der Film schließt mit der expliziten Message „Natur ist Energie!“. Die recht komplexe und vielschichtige Inszenierung traf teilweise auf Unverständnis, fand aber genug Freunde, um auf Podium zu kommen.

Geteilter Platz 2 für Julian Harzer und Frances Köhler: „Endboss“

Als Einstieg in die Handlung bemühen die beiden Filmemacher mit einem Augenzwinkern das Klischee der eitlen Freundin mit dramatischen Spliss-Problemen: Freundin geht der Fön aus; Freundin fordert Freund auf, in den Keller zu gehen und die Sicherung wieder reinzudrehen: „ … oder liebst du mich etwa nicht mehr?“; Freund fügt sich und muss seinen Gameboy gerade in dem Augenblick zur Seite legen, in dem der virtuelle Endgegner auf ihn wartet – Sein realer „Endboss“ wartet allerdings schon im Keller auf ihn und bewacht den Sicherungskasten. Um den Fön seiner Liebsten wieder in Gang zu setzen, muss der Protagonist jetzt selbst ran und einige Aufgaben erfüllen: Erst den Schnurrbart von „Rainald dem Ranzigen“ wiederfinden, dann für ihn aus einem Flugzeug springen. Schwer gezeichnet von seiner Mission torkelt er zurück in die gemeinsame Dachgeschosswohnung, um sich dort anhören zu müssen, dass sich seine Freundin die Haare schon anderweitig gerichtet habe: also der ganze Stress für die Katz und Mario wird zum Wario, der unheilvoll den Langhaarschneider schwingt.

Platz 1 für Jaime Portaleonie, Viktoria Witters, Steffen Grabenhof, Daniel Hernández und Farnando Lanuza: Uuups!

Eingangs eine Szene wie aus einem Kriminalfilm: Spannende Musik und ein Ermittler durchsucht ein Haus nach einem Mörder. Kurz bevor er mit vorgehaltener Waffe eine Tür öffnen will, ertönt plötzlich eine Frauenstimme: Eine Eis essende Fernsehzuschauerin hat sich vor dem heimischen Fernseher in den Film eingeklinkt. Sie rät dem verdutzten Ermittler, unbedingt die andere Tür zu öffnen um nicht in einen Hinterhalt zu geraten. Der nimmt den Rat der krimierfahrenen Couch-Potato an – und wird prompt vom Gesuchten hinterrücks erstochen. Uuups! – Hätte er mal lieber doch die andere Tür genommen… Hätte der Film mit diesem Gag – Nostalgiker werden sich sehr stark an den Wiener Hauptkommissar Kottan erinnert fühlen – geendet: er hätte noch überzeugender gewinnen können. Denn der anschließende Dialog zwischen Mörder im Film-Film und Frau auf der Couch dient in erster Linie dazu, ein filmtechnisches Kabinettstückchen unterzubringen: Der Wurf von Eis und Löffel durch den TV zum Mörder und zurück ins Wohnzimmer überzeugt optisch, aber nicht in Hinblick auf die Story und ihren Bezug zum Thema „Unter Strom“. Nichtsdestotrotz Spiel, Satz und Sieg für „Uuups! – Herzlichen Glückwunsch!

Trostpreise – falls nicht vorher versehentlich vom Publikum eingesteckt – gingen an Mira Amadea Vasconcelos mit „32 Takte“, Jonte Mörking mit „Kreislauf“, Koraltan Kaynak, Tekin Evsen, Mutlu Baba und Chandru Vijay mit „sustainedRobot“, David Koch, André Ashokumar und Sabrina Pfeiffer mit „Momento“ und Stefan Blutner, Marla Dressel, René Wetzig, Nick Joneleit, Norbert Hilbrig und Angelina Scheck mit „Unter Strom“. -je

Alle Wettbewerbsbeiträge sind demnächst auf dem YouTube-Kanal des HdW zu sehen: http://www.youtube.com/user/HausderWissenschaft

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