Prisma der Gegenwart: DJane Beth Lydi im Interview

Prisma der Gegenwart: DJane Beth Lydi im Interview

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Foto1b„Lydi“ stammt vom norwegischen Ausdruck „lyd i“, was frei übersetzt so viel bedeutet wie „der Sound in“ oder „Lautstärke innerhalb“. Dieser Spitzname begleitet die gebürtige Skandinavierin bereits seit ihrer Kindheit, da sie schon immer gerne viel Lärm machte. In Oslo aufgewachsen und früh das Violin- und Klavierspielen erlernt, zog es sie um die ganze Welt und schließlich nach Berlin. Mittlerweile betreibt sie als Produzentin erfolgreich zwei Musik-Label, ist bei einer angesagten Agentur im Künstler-Management tätig und tourt nebenbei noch ganz selbstverständlich als DJane um die Welt. Ein Workaholic mit Schmetterlingsflügeln – tief und basslastig, zwischen Techno und Tech-House, dennoch immer frisch, belebend und einfach glücklich. Ihr unverwechselbarer Sound macht sie zu einem absoluten „Must Hear“ in den Clubs und auf den Festivals dieser Welt!

Welche Stilrichtungen des Electro sollte man nennen, um ein Bild deiner Musik zu erhalten?

Ich bin kein großer Fan davon, Stile zu stark abzugrenzen. Ich will mich auch nicht einengen und denke, dass sich die Stilrichtungen heutzutage immer mehr überschneiden und einander beeinflussen. Mir macht es Spaß, unterschiedliche Sounds zu mischen und zu variieren, die am Ende ein neues Ganzes bilden. Mein Liebling ist und bleibt trotz allem der Tech-House.

Wovon wurdest du beeinflusst und wo liegt das Besondere in deiner Stilrichtung?

Es ist gut, dass nicht alle den gleichen Geschmack haben. Ich spiele ganz einfach, was mir gefällt. Dabei lasse ich mich täglich beeinflussen – von Menschen, von Eindrücken und von Sounds. Ich mag die Vorstellung, dass Leute bei meiner Musik das gleiche fühlen wie ich: die Freude, die Erwartung und die Euphorie. Für mich ist jeder Song etwas ganz Besonderes.

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Was steckt hinter deinem Logo, dem so genannten „Butterfly Image“?

Das ist einfach eine Abstrahierung meiner selbst. Ich habe mit einer sehr guten Designerin zusammengearbeitet, die sich viel Mühe gegeben hat, meine Essenz zu finden. Ich komme aus Norwegen, liebe die Natur und das Draußensein. Ich bin mal hier, mal da und schnell begeistert, fliege gern zwischen verschiedenen Erlebnissen und bin immer neugierig. Auch meine besten Freunde waren sofort begeistert und sagten: Das ist genau dein Logo!

Du spielst selber seit deiner Kindheit Instrumente. Wie wichtig ist das für deine Kompositionen?

Ich habe Musik immer geliebt. Musik kann so viel für dein Befinden tun. So auch verschiedene Musikinstrumente, je nachdem, wer und wie sie benutzt werden. Technisch hat es natürlich geholfen, ein Gehör für Töne und Taktgefühl zu bekommen. Es erfüllt einen sehr, sich durch Musik ausdrücken zu können.

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Erzähl uns von deinen musikalischen Anfängen in der Szene Oslos. Warum hast du irgendwann die Entscheidung getroffen, nach Berlin zu gehen?

Ich habe während meines Studiums ein Erasmus-Jahr in Berlin gemacht und mich dabei sehr zu Hause gefühlt. Man sagt ja, dass es vielen so geht, sie kommen hierher und bleiben dann einfach. *lacht* Ich bin dann aber erst mal zurück nach Oslo gezogen, um mein Studium abzuschließen. Doch es blieb immer der Wunsch, zurück nach Berlin zu gehen. Mein jetziger Freund ist geborener Berliner, und so ergab es sich schließlich. Für mich ist es ein Teil des Lebens, einfach Sachen zu machen, und man sollte sich nicht selber begrenzen, durch die Furcht, dass etwas nicht klappen könnte.

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Beth Lydi am 24. Mai 2014 im Brain Klub Braunschweig.

Elektronische Musik wird oft als Mainstream abgestempelt. Woran liegt das?

Es ist heutzutage sehr einfach, DJ zu sein oder elektronische Musik am Laptop zu produzieren – und das ist auch gut so. Elektronische Musik ist bereits seit Mitte der 90er als Mainstream einzuordnen. Das fing bereits an, als DJs die dreifachen Gagen jeder Indie-Rockband aufrufen konnten.

Oft wird auf Partys mit elektronischer Musik ein hoher Eintrittspreis verlangt, da der Begriff „Electro“ offenbar als Publikumsmagnet funktioniert. Bleibt hier die musikalische Qualität auf der Strecke?

Ein DJ der weiß, dass er gut ist und den Laden füllen kann, ruft in der Regel auch hohe Gagen auf. Manche übertreiben es mit Ihren Gagenvorstellungen, woraus am Ende auch hohe Eintrittspreise resultieren. Die Clubbetreiber müssen ja auch überleben; da bleibt oft nichts anderes übrig, als die gestiegenen Kosten direkt an die Gäste weiterzugeben.

Abgesehen von einigen Open Airs im Sommer, dem Brain Klub oder dem Eulenglück sowie einzelnen Veranstaltungen im alternativen Kulturzentrum Nexus, läuft in Braunschweig vor allem in den „Mainstream“-Clubs elektronische Musik. Wo liegt der Unterschied zwischen Mainstream und subkultureller Szene?

Subkultur ist etwas ganz Wichtiges, das sollten wir nie aus den Augen verlieren. Damit fing schließlich auch alles an. Die Grenze zwischen Mainstream und Szene sollte jedoch jeder für sich selber ziehen. Das ist auch regional sehr unterschiedlich.

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Neben dem Unterschied zwischen Mainstream und „Szene“ ist vor allem die Frage nach dem künstlerischen Anspruch elektronischer Musik oft Gegenstand von Diskussionen. Häufig werden Electro-DJs von „richtigen“ Musikern – die im klassischen Sinn auf Instrumenten spielen und komponieren, mit ihrer Band auf Bühnen auftreten und ihre Musik meistens im Kontext eines Langspielalbums auf den Markt bringen – nicht als gleichwertige Künstler wahr- und ernstgenommen. Wie reagierst du darauf?

Zugegeben: Es ist schon ziemlich verrückt, dass ein DJ mit zwei USB-Sticks manchmal tausende Euro dafür bekommt, ein paar Stunden die Tracks anderer Leute zu spielen. Ein bisschen First-Class-Reisen, ein leckeres Dinner und 5-Sterne Hotel – während so manche bekannte Band mit vielen Instrumenten und Technik nicht mal halb so viel bekommt. Das muss dann noch durch Fünf geteilt werden, abzüglich Hotel, Anreise und Snack an der Tankstelle. Das ist extrem unfair, deshalb soll mir auch niemand erzählen, dass elektronische Musik nichts mit Mainstream zu tun hat. Was trotzdem viele unterschätzen, ist wie viel Arbeit hinter dem DJ-Dasein steckt. Musik produzieren, Musik kaufen, Promotion, Marketing, und vieles mehr. In der Regel arbeitet man viele Stunden täglich, nicht nur mal eben zwei Stunden am Wochenende.

Ist elektronische Musik dennoch Kunst, und welche Philosophie liegt deiner Meinung nach der Szene zu Grunde?

Enjoy the night like there is no tomorrow! Ich glaube, das Faszinierende an der Szene ist die Möglichkeit, das „Hier und Jetzt“ zu genießen. Die Menschen, die Musik, die Atmosphäre und das friedliche Zusammensein. Und ja, für mich ist diese Musik Kunst. Bei Kunst geht es schließlich darum, Emotionen zu erzeugen – und genau das tun wir mit elektronischer Musik!

Beth Lydi, vielen Dank für das Gespräch!

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Text und Fotos: Anja Sniehotta, sniehotta art-design

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