Das „Astwerk“ – interaktive Kunst im einRaum5-7

In der Galerie einRaum5-7 entsteht vom 13. bis zum 30. August die Installation „Astwerk“ der Braunschweiger Künstlerin Antje Koos – ein natürliches Kunstwerk zum Mitmachen.

Gestalten, Neugierde wecken, ins Gespräch kommen, Mitmachen – dafür steht die Kunst von Antje Koos aus Braunschweig. Dabei legt die gebürtige Hamburgerin besonderen Wert auf den Prozesscharakter ihrer Werke: Sie sind ebeso ein ästhetischer wie ein sozialer, aber auch ein Lernprozess. Aus diesem Grund arbeitet die Designerin und selbständige Künstlerin häufig mit Schulen und Kindergärten zusammen – und aus diesem Grund gibt es zu dieser Veranstaltung nicht die übliche Vernissage, sondern eine Finissage, die am 30. August die Vollendung des interaktiven und partizipativen Projekts „Astwerk“ in der Galerie feiern wird. Bis dahin sind alle Handelsweg-Flaneure, Kreativen und Interessierten herzlich eingeladen, sich von Donnerstag bis Samstag vor Ort an der Gestaltung der Installation aus Ästen und vielen anderen Naturmaterialien zu beteiligen. Was die Mitgestalter und Interimskünstler dabei genau erwartet und was es mit Koos‘ ebenfalls ausgestellten „Stäbchenbauten“ auf sich hat, erfahrt ihr in unserem Interview.

Hallo Antje, die ersten Bestandteile des Astwerks hast du schon hier im einRaum platziert. Die robusten, raumhohen Äste werden von zwei deiner sehr filigranen Stäbchenbauten „Der Turm“ und „Wohin führt das“ flankiert. In welchem Zusammenhang stehen die Installationen?

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Antje Koos und „Der Turm“ (links).

Die Stäbchenbauten habe ich allein angefertigt, sie sind aber gleichzeitig der Ursprung des Astwerks als Gemeinschaftsprojekt und Installation zum Mitmachen. Mit den Stäbchenbauten habe ich 2011 angefangen. Dazu habe ich industriell hergestellte Holzstäbchen verwendet, mit Draht verbunden und daraus architektonische Skulpturen gebaut. Ich habe vorher lange im Ausstellungsbereich als Designerin gearbeitet, also Räume mit Grafik und Objekten gestaltet. Das schult den Blick für das Dreidimensionale, das auch Schwerpunkt meines Grafikdesignstudiums war. Durch Asien inspiriert habe ich dann angefangen, mit Naturmaterial zu bauen. Und jetzt bin ich soweit, nicht nur alleine zu bauen, sondern das Ganze zu öffnen und andere Leute daran zu beteiligen – das ist das Astwerk.

Was reizt dich daran, andere in die Gestaltung des Astwerks einzubeziehen?

Ich finde es interessant, wie die Leute mit dem Material umgehen und wie lange sie sich damit beschäftigen können. Ich mache ja sehr viel mit Partizipation: Vor zehn Jahren habe ich für die Landesgartenschau in Wolfsburg einen Betondrachen gebaut, gemeinsam mit einer Freundin und einer Landschaftsbaufirma. Die Besucherkinder der Landesgartenschau haben dann mit uns zusammen die Mosaikoberfläche der Skulptur gestaltet. Mittlerweile gibt es 16 Betonskulpturen dieser Art, bei denen ich immer das Publikum in die Ausgestaltung mit einbeziehe. Häufig entstehen diese Arbeiten im Auftrag von Schulen und Kitas. Gemeinsam mit Kindern, Eltern, Erziehern oder Lehrern entstehen dann einzigartige Objekte, die die Bindung an den jeweiligen Ort stärken. Auf meiner Seite www.formreich.com kann man Impressionen dieser Werke finden.

Du arbeitest also auch mit Beton, das Astwerk wird allerdings aus Naturmaterialien bestehen. Bist du auf bestimmte Materialien festgelegt?

Nein, die Materialsuche geht bei mir immer einher mit der Idee, auch das ist eben ein Prozess. Ich habe z.B. schon viele Drahtobjekte gebaut oder mische die Materialien wie bei den Stäbchenbauten. Das wechselt, ich bin da ziemlich vielseitig. Ich habe zum Beispiel auch schon mit Kunstharz gearbeitet.

Welches Material nutzt du für das Astwerk und nach welchen Kriterien hast du sie ausgesucht?

054Das Astwerk besteht größtenteils aus Holz, aber auch aus Hanf und Kokos zum Verbinden. Die Äste habe ich selbst ausgesucht, Blätter und Zweige entfernt. Die Holzarten sind mir dabei nicht allzu wichtig, mir kommt es eher auf die Farbe an. So habe ich die Äste auch für die Besucher, die sich beteiligen möchten, vorsortiert. Durch die unterschiedliche Farbgebung werden die „Nester“ der Besucher in den Ebenen und Stockwerken der Installation gut erkennbar sein.

Warum „Nester“?

Es sollen dreidimensionale Formen entstehen, die ja für sich schon ein Objekt darstellen. Vermutlich wird es dann in Richtung Nest, Behausung oder Kokon gehen. Das kann man dann mit Draht oder Seil verbinden. Man kann auch einfach Seil knoten… Wichtig ist, dass es eine Form hat.

018Welche Materialien stehen den Besuchern zur Verfügung?

Zum Beispiel Bambus, Pappel, Kirsche, Gingko, Korkenzieherhasel und einige mehr. Es sind Zangen vorhanden, die Äste können zerschnitten, gebrochen oder auseinandergepflückt werden, je nachdem, wie sich die Besucher das vorstellen. Und falls jemand sagt: „Meine Mutter hat gerade ihren tollen Strauch gestutzt und da sind noch so schöne Zweige da“ – die können gerne mitgebracht und – wenn es passt – integriert werden.

Am 30. August findet die Finissage statt, bis dahin wird sich das Astwerk weiterentwickeln und wachsen. Hast du eine Vorstellung davon, wie es in zwei Wochen aussehen könnte?

Vermutlich wird es bei der jetzigen Anordnung der Objekte im Raum bleiben, aber vielleicht ragt an der einen oder anderen Stelle auch mal etwas hervor. Es wird sich an vielen Stellen verdichten, hoffentlich auch viel durch die selbstgefertigten Objekte der Besucher. Bei der Finissage wird auch Pia Kranz (u.a. kunst… hier und jetzt) dabei sein, die meine Arbeiten kennt und den Gästen eine kleine Einführung geben wird.

Vielen Dank für das Gespräch!

Text: Jan Engelken

Fotos: Stephen Dietl

Antje Koos: Astwerk
Bis zum 30. August (18:00h Finissage) in der Galerie einRaum5-7
Handelsweg 5-7
Öffnungszeiten:
Do. + Fr. 17-20:00h
Sa. 14-19:00h
Eintritt frei

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