„Epitaph“ in Barnaby’s Bluesbar: Eine richtig geile alte Band

„Epitaph“ in Barnaby’s Bluesbar: Eine richtig geile alte Band

„Epitaph“ lässt den 70er Jahre Hard-Rock in Barnaby’s Bluesbar Braunschweig krachen.

Düsternis. Die Wolken fransen sich Regen und Graupeln heraus. Osterfeuerliche Rauschschwaden steigen gen Himmel. Dazwischen Lichtfenster. Eher Karfreitags- als Ostersamstag-Stimmung. Ob’s ein Konzert in Old Barnaby’s da raushaut? „Epitaph“ spielt. Der Name hellt ja auch nicht gerade auf, bedeutet ja „Grabplatte“ oder so.

Gut gut, „Epitaph“ ist eine „legendäre deutsche Band“. Seit den spätesten 60ern des vorigen Jahrhunderts am Machen. Krautrock und so was. Semi-bekannt. Dann abgetaucht, wieder auferstanden zur Jahrtausendwende. Marsch durch die musikalischen Institutionen, wie die Alt-68er wohl sagten. Dabei wohl immer weiter abgeschliffen. Bei „Acoustic Sessions“ gelandet. Egal jetzt! Machen wir die Hörprobe. Rein in die Bluesbar.

Ansage durch den „Hausherrn“ Peter Loris: „Eine richtig geile alte Band!“ Und ein eigenartiges Grinsen dabei. Ein paar Wirbel von Achim Poret auf seinem knochentrocken klingenden Drumset. Ein deftiger Power-Rock-Akkord wird Wah-Wah-gestützt weidlich ausgekostet. Der Opener „Dancing with Ghosts“ startet. Und es gibt mächtig was auf die Ohren. Geister? Wo? Die vier Gesichtsalten auf der Bühne? Mitnichten. Eher eine Karwochen-Geister-Austreibung.

Die folgenden Stücke, gleich ob „Cold Rain“ oder „Woman“, lassen nicht nach im Druck. Cliff Jackson treibt an der Rhythmusgitarre mächtig an. Aber es ist nicht nur das. Die Stücke sind fein arrangiert, es ist nicht einfach der Drei-Akkorde-Schematismus. Feine Akkordverbindungen, komplexe rhythmische Variationen, knackige Riffs und Licks. Und bei dem Hendrix-Cover „Villanova Junction“ konnte Lead-Gitarrist Heinz Glass zeigen, dass man – ohne Hendrix zu kopieren – dem Stück feine Gitarrensoli abgewinnen kann. Bernd Kolbe am E-Bass zündete die Hendrix-spezifischen Bass–Nachbrenner, überzeugte überhaupt mit seinem variablen, durch alle Lagen gehendes Spiel.

Der Akustik-Part, der dann doch noch kam, war musikalisch nicht sehr ertragreich. Zu wenig Klangfarbenveränderung, keine überzeugende Rollenverteilung. Drei Stücke, dann wieder Rückkehr zum Hardrock.

Witzig die Herren dabei. Ein bisschen Bühnen-Ballett, scheinbar karikierend gespielt, in Wirklichkeit aber immer noch drin in den Knochen, uneingestanden ernsthaft. Mal ein Elvis-Scherz: „Muss I denn“ in Kurzform, weil „Elvis lebt“. Lockere Deep Purple- und Led Zeppelin-Zitate, auch zum Mitmachen. Gegen Ende das alte Rock-Problem: es wird lauter und lauter. Nach „Rolling“, der Zugabe, war man doch froh, dem Gehör Entwarnung geben zu können. Fazit: Düsternis vertrieben, auch der Mond schien voll und freundlich, es läuteten die Oster-mitternachtsglocken versöhnlich.

Text: Klaus Gohlke

Foto: epitaph-band.de

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