“Liebesgeschichten und Emotionen” – die französische Sängerin Fredda im Interview

“Liebesgeschichten und Emotionen” – die französische Sängerin Fredda im Interview

Eine wichtige Vertreterin des “Nouvelle Chanson” kommt am 8. März nach Braunschweig: Frédérique Dastrevigne aka “Fredda” macht auf ihrer Deutschland-Tour Station im Roten Saal des Kulturinstituts.

Zeitgenössische französische Musik hat es ja oft nicht ganz so leicht im deutschsprachigen Raum, umso bekannter sind dafür die großen Chansons der 1950er und 1960er Jahre. Allerdings hat zuletzt auch der “Nouvelle Chanson” mit Benjamin Biolay und vor allem mit Zaz hierzulande Einzug gehalten – und Sängerin Fredda dürfte mit ihrer feinen Mischung aus zarter Melancholie und locker-leichten Klängen weitere Fans dazugewinnen. Im Roten Saal wird sie ihr neues Album “Le Chant Des Murmures” vorstellen, das bei dem Kölner Plattenlabel “Le Pop” erschienen ist. Im Interview verrät uns Fredda, welche Musik sie selbst am meisten inspiriert, wie ein musikalischer Abend in ihrer Heimatstadt Paris aussieht und wie sich die Musikerin auf ein Konzert vorbereitet.

Bonjour Frédérique, wie geht’s Dir heute?

Gut, denn ich schreibe Dir aus Marseille. Ich verbringe hier ein paar freie Tage.

Gleich zu Anfang mal Hand aufs Herz: Welches war Dein allererstes Album?

“Naturally”, das Debütalbum von JJ Cale. Das Lied “Call The Doctor” von diesem Album finde ich immer noch großartig!

Was inspiriert Dich und Deine Musik?

Es gibt viele Dinge, die mich inspirieren. Das hängt immer ganz vom jeweiligen Moment ab. Ein bisschen Pop, ein bisschen Folk, in letzter Zeit alte Musik aus den USA, Musik europäischer Einwanderer, brasilianische und südamerikanische Musik. Ich habe früher auch sehr gerne Chansons gehört: Françoise Hardy, Gainsbourg, Sänger aus den Sixties, Joe Dassin, France Gall.

Was war das beste Konzert, das Du bisher gesehen hast und warum?

Das war Tom Waits im Jahr 2001 im Le Grand Rex in Paris. Die Show war großartig, sehr emotional und aufregend. Wir haben bei diesem einzigartigen Konzert viele berühmte Pariser Künstler getroffen und Tom Waits war wie einer dieser umherreisenden Händler, die im Wilden Westen Wunderelixiere verkauft haben. Wir haben uns wie in einem Western gefühlt.

Wo lebst Du zurzeit und wie ist das Konzert in Braunschweig zustande gekommen?

Ich lebe zurzeit in Paris. Das Konzert ist Teil meiner Deutschlandtour und mein Label hat sich um das Booking gekümmert.

Bist Du vorher schon mal in Braunschweig oder in der Region gewesen?

Ja, ich bin schon mal in der Region gewesen, aber leider noch nicht in Braunschweig. Ich freue mich schon auf die Stadt. Ich mag Städte generell und habe auch schon ein paar Lieblingsstädte in Deutschland. Ich führe übrigens auch ein Tournee-Tagebuch, in dem ich alle Eindrücke von den Orten festhalte, an denen ich auftrete.

FREDDAWie ist das Musikerleben in Paris?

Wenn ich abends ausgehe, laufe ich eigentlich ständig anderen Pariser Musikern über den Weg und es gibt sehr oft kleine improvisierte Konzerte in irgendeiner Musikerwohnung. Ich treffe z.B. oft Albin de la Simone, Sammy Decoster, der auch mit mir zusammen Musik macht, Jim Yamouridis, Rosemarie Standley, Arthur H, Nicolas Repac und viele andere.

Wann hast Du mit dem Musikmachen angefangen?

Ich habe mit 20 als Autodidaktin angefangen und bin dann sehr schnell professioneller geworden. Ein Jahr später bin ich schon in Bars und auf Kleinkunstbühnen mit ein paar Coversongs aufgetreten. Das habe ich eine Zeit lang gemacht, aber dann habe ich mich dazu entschlossen nochmal Gitarre und Gesang zu studieren und meine eigenen Lieder zu schreiben.

Wie würdest Du Deinen Musikstil beschreiben?

In meiner Musik finden sich alle Musikrichtungen wieder, die ich gerne mag: Pop Musik, Folk, Blues, Chansons. In den Songtexen geht es um Erwartungen und Vorstellungen, manchmal um Melancholie. Und es gibt die bunten Rhythmen, die Farbe in meine Musik bringen.

Dein aktuelles Album heißt “Le Chant des Murmures”. Wie bist Du auf diesen Titel gekommen?

Dieser Titel soll eine Art poetische Formel und gleichzeitig ein wenig geheimnisvoll sein. Ich hätte es auch einfach nur “Songs” oder “Chansons” nennen können, aber der Zusatz “des Murmures” (frz. für “das Säuseln”) beschreibt das Thema des Albums sehr gut. Es geht um Liebesgeschichten und Emotionen.

“Le Chant des Murmures” wurde letztes Jahr veröffentlicht und beinhaltet 13 neue Songs. Welche Songs von diesem Album bewegen Dich am meisten?

“Habitué à moi” und “the village”. Das waren die allerersten Songs des Albums, die ich dann auch später nicht mehr verändert habe.

“Le Chant des Murmures” ist Dein drittes Soloalbum nach “Toutes Mes Aventures” (2007) und “L’Ancolie” (2012). Was ist neu am aktuellen Album?

Die Songtexte und die Kompositionen sind diesmal etwas anders als auf den anderen beiden Alben. Aber da denke ich meistens gar nicht so genau drüber nach, das läuft irgendwie ganz instinktiv. Bisher gab es sehr gute Kritiken und das hat mir natürlich sehr viel Selbstvertrauen gegeben.

Wer steht mit Dir in Braunschweig auf der Bühne?

Sammy Decoster, der zusammen mit Pascal Parisot beim neuen Album mitgewirkt hat. Er spielt E-Gitarre und ist zusammen mit Alex Viudes und Nicolas Desse Mitglied der Pariser Pop Band Erevan Tusk.

Im März tourst Du erstmal durch Deutschland. Hast Du schon Pläne für die Monate danach?

Nein, bisher habe ich noch keine genauen Pläne. Wahrscheinlich werde ich im Sommer noch auf einigen Festivals in Frankreich auftreten und danach hoffentlich noch ein paar Konzerte in Süddeutschland spielen.

Gibt es irgendwelche Rituale bevor Du auf die Bühne gehst?

Ja, kurz vor meinen Auftritten bin ich gerne alleine, schminke mich noch schnell und trinke ein Glas Weißwein.

Möchtest Du uns sonst noch etwas mitteilen?

Braunschweig – ich weiß nicht, ob ich das richtig aussprechen kann. Ich sollte wohl noch etwas üben, bevor ich vorbeikomme!

Frédérique, vielen Dank für das Interview!

Text: Jan Engelken

Übersetzung: Kathrin Huter

Fotos: Sebastien Perron

Fredda live im Roten Saal
Am 8. März 2015 um 19:00 Uhr
Einlass mit Stehempfang um 18:30 Uhr
Präsentiert vom Kulturinstitut in Zusammenarbeit mit Antenne Métropole
Karten an allen bekannten Vorverkaufsstellen, online oder an der Abendkasse
Preise: VVK 11€/erm. 5€; AK 13€/erm. 6,50€

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