Friedhelm Kranz “world in arms”: Eröffnung im raumLABOR

Friedhelm Kranz “world in arms”: Eröffnung im raumLABOR

30 teils großformatige Werke an die Wand, auf den Boden, an die Decke bringen? Das ist nicht ganz einfach und kostet Zeit: “Fertig geworden bin ich vor einer halben Stunde”, gibt Künstler Friedhelm Kranz zu. Kranz hat seine freie Zeit zuletzt vor allem im raumLABOR an der Hamburger Straße verbracht, am Dienstag feierte der Gründer und Geschäftsführer der Braunschweiger Werbeagentur Gingco.Net zusammen mit rund 100 Gästen die Eröffnung seiner Ausstellung “world in arms”.

Der 57-jährige Kranz ist im Übrigen kein Kunst-Neuling, ganz im Gegenteil: Studium der Freien Kunst in Kiel, danach Grafik Design und Fotografie in Braunschweig, Preise und zahlreiche Ausstellungen, Professur an der Fachhochschule Kunst Arnstadt. Seit gut dreißig Jahren ist neben dem Werbefachmann Kranz auch stets der Künstler Kranz aktiv, wie Dr. Annette Boldt-Stülzebach in ihrem Grußwort unterstreicht. Die aktuelle Ausstellung ist für sie ein “unendlicher Gewinn für das raumLABOR”, denn “world in arms” sei nicht verschleiernd, sondern aufschreckend.

Friedhelm Kranz bearbeitet sein Thema gegenständlich, eindringlich, in kritischem Sinne plakativ. Waffen sind in seiner Ausstellung allgegenwärtig – genauso wie in unserer Lebenswelt. Wie präsent und selbstverständlich unser Umgang mit den Tötungswerkzeugen, und damit dem Töten selbst ist, führt Kranz dem Betrachter vor Augen. Nicht abstrakt, sondern bewusst konkret und anschaulich, so Kunsthistoriker Michael Schwarz in seiner Einführung, denn eine “Darstellung, die wir verstehen, die uns angeht, die uns vielleicht sogar betroffen macht, funktioniert nur über nachvollziehbare Geschichten” – und über die Dekonstruktion bekannter Gewaltdarstellungen, wie das Foto vom Reagan-Attentat im Jahr 1981.

Friedhelm Kranz hat das Fotomotiv erneut reproduziert, diesmal allerdings in Form eines enormen Teppichs von 4,5 x 3m Größe. Michael Schwarz: “Bei Friedhelm Kranz verleiht das Medium dem ikonischen Foto von Michael Evans eine irritierende Bildwirklichkeit, verstärkt durch ein verfremdendes Bildraster und eine cremige Farbigkeit, die sich weit von der Farbskala der Vorlage entfernt hat. Friedhelm Kranz kommentiert dieses Attentat als Folge des nahezu freien, ungehinderten Zugangs zu den Waffen (…) mit noch größerer Distanz zum gewählten Fotomotiv, indem er das millionenfach reproduzierte, medial vernutzte Bild durch Übertragung auf einen handgewebten Teppich erneut auratisiert.”

Text: Jan Engelken
Fotos: Stephen Dietl

Friedhelm Kranz “world in arms”
Bis zum 6. November im raumLABOR, Hamburger Str. 267
Geöffnet: Mi.-Fr. 15-19, So 11-17 Uhr

Ausstellungsspecial: Am 28. Oktober findet in Kooperation mit Kulturblog38 Braunschweigs erster ArtTweetUp statt!

https://www.facebook.com/events/1487385848230680/

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