„Fünf Frankfurters“ im Kunsthaus BBK – hessische Feinkost in Braunschweig

Aus dem Kunsthaus BBK in der Humboldtstraße 34 gibt es zu Beginn des Jahres gleich drei Neuigkeiten zu vermelden: Am vergangenen Donnerstag fand die Vernissage zur neuen Ausstellung „Fünf Frankfurters“ statt, in der sich fünf Mitglieder des Bundes Bildender Künstler Frankfurt/Main bis zum ersten März in der Braunschweiger Schwester-Einrichtung präsentieren.

Es wird aber nicht nur bei diesem singulären Event bleiben. Auf BBK-Ebene ist ein Austausch mit dem aktiven Kunststandort Frankfurt/Main ins Leben gerufen worden, der im Juni einen ersten Gegenbesuch Braunschweiger Künstler im Frankfurter BBK zur Folge und eine langfristige Vernetzung zum Ziel hat. Und drittens hat zu Beginn diesen Jahres Christin Haase ihre Tätigkeit als Geschäftsführerin angetreten. Für die Nachfolgerin von Julia Taut heißt es damit: Ausstellungspremiere im BBK mit den „Fünf Frankfurters“.

001Die „Fünf Frankfurters“ sind Joachim Mennicken, Loran Hughes-Sachs, Hans Dieter Junker, Freda Street und Matthias Kraus. Alle fünf Künstler sind zur gestrigen Vernissage angereist und bei der Eröffnung vor Ort. Die beiden Künstler Joachim Mennicken und Matthias Kraus haben kurzerhand eine Fahrgemeinschaft gebildet und sind zusammen mit dem Auto nach Braunschweig gefahren: „Für die restlichen Künstlerkollegen hat der Platz in dem kleinen Wagen leider nicht ausgereicht“, berichtet Mennicken, der – kaum in Braunschweig angekommen – gleich eine Stadtführung mit Mitfahrer Kraus unternommen hat. „Gefällt mir sehr gut hier“, so sein erstes Urteil. Auch das nicht ganz reibungslose Zusammenspiel von moselfränkischem Idiom auf vermeintlich hochdeutschem Grund hat zu keinen schwerwiegenden Missverständnissen geführt. Missverständnissen künstlerischer Art ist ebenfalls vorgebeugt, denn Dr. Ute Maasberg von der Architektenkammer Niedersachsen informiert in ihrer Einführung fundiert und präzise über das Werk der fünf Gast-Künstler und die bisher nur ansatzweise definierte Beziehung der Städte Braunschweig und Frankfurt in den Bereichen Kunst und Architektur.

010Künstler Joachim Mennicken verfolgt die Linie als gestalterische Grundidee, die Allee, die von beiden Seiten mit Bäumen eingefasste Straße, ist in dieser Ausstellung eines seiner Hauptmotive. In seinem Werk setze er sich v.a. mit menschlichen Beziehungen auseinander, so Mennicken, der in Braunschweig eine Auswahl schwarzweißer Holzschnitte zeigt. „In den Konstruktionen gewellter, aus Linien modellierter Landschaften verwischen die Grenzen zwischen Objektiven und imaginären Strukturen“, so Maasberg. Beeindruckend, wie trotz des Verzichts auf Kontur aus der abwechselnden Komposition weißer und schwarzer Linien derart präzise Formen entstehen, verbunden mit einem starken Eindruck räumlicher Tiefe, der den Werken eine subtile Dynamik verleiht.

026Bei Matthias Kraus ist das dynamische Moment in seiner Kunst offensichtlicher. Kein Wunder, denn „mein Thema ist die Bewegung“, so Kraus. Seine Bilder, grafischen Darstellungen und Kleinstplastiken erzählten über die Zustände des Schwebens und des Fallens, erläutert Maasberg. Aber es scheint kein schmerzhafter, beängstigender Fall für die dargestellten männlichen Figuren zu sein. Teilnahmslos und willfährig fügen sie sich in ihre Rolle als Objekte in einer Dynamikstudie. Eine Studie, die sich – farblich und gestalterisch kraftvoll intoniert – nicht um das Detail kümmern muss, denn hier geht es um Bewegung als Ganzes, als Prozess.

030Filigran geben sich wiederum die zahlreichen Tuschezeichnungen von Freda Street, genauso wie die farbenfrohen Texturen ihrer feingliedrigen Holzschnitte. Nach Maasbergs Worten „allesamt dem wiederkehrenden Prinzip des Gleichgewichts des Lebens, aus Ordnung und Unordnung, folgend“, lenk ihre Werke den Blick des Betrachters auf „verborgene Kunstwerke in unserem Alltag“ fernab der traditionellen Grenzen des Mediums.

Loran Hughes-Sachs präsentiert im Gartenzimmer des Kunsthaus BBK Büsten aus Speckstein und Bilder aus der Serie „Black is Beautiful“. Die Totalität der Nichtfarbe steht dabei in einem spannenden Kontrast zu filigranen farbigen Schraffuren, dünnen aber kontrastreichen Farbspuren und einer Gestaltung, die ins „reliefhafte“ (Maasberg) geht, Raum und Aufmerksamkeit beansprucht.

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Anders die Bilder von Hans Dieter Junker. Sie drängen sich kaum durch ihre aufs Wesentliche reduzierte Gestaltung auf, hier geht es um die Motive, die mehr oder weniger Aspekte gesellschaftlicher Wirklichkeit reflektieren – vielleicht eine Mischung aus neuer Sachlichkeit und Postmoderne?

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Auch mit dieser Frage kann man sich noch bis zum 1. März im Kunsthaus BBK auseinandersetzen und in der Ausstellung „Fünf Frankfurters“ Antworten oder auch neue Fragen finden. Der Besuch lohnt sich!

Text: Jan Engelken

Fotos: Stephen Dietl

„Fünf Frankfurters“
bis zum 01.03.2015 im Kunsthaus BBK
Humboldtstraße 34

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