Prisma der Gegenwart: Gesa Duschanek im Interview

Prisma der Gegenwart: Gesa Duschanek im Interview

Ich habe mich entschieden, ein Interview mit Gesa Duschanek, der Initiatorin von „Eine Sache des Respekts“, zu führen, da ich es für ein bemerkenswertes Zeichen halte, so viele Menschen in die eigene Kreativität und in eigener Selbstverantwortung einzubinden. Zudem verbinde ich ein persönliches Schicksal mit dem Projekt. Ich habe meinen Vater vor drei Jahren in einem Krankenhaus das letzte Mal gesehen und erlebt. Ich kann mich an ein kahles Zimmer erinnern, das sich in meine Erinnerung als ein Ort ohne Respekt dem Patienten gegenüber eingebrannt hat. Es gibt viele Menschen, die ihre letzten Stunden in Krankenhäusern bewusst erleben. Ich habe mich also gefragt, was ist das für ein Projekt, welche Chance besteht für die Erhaltung und welche Person steckt überhaupt dahinter?

1Hallo Gesa, stell dich unseren Lesern doch mal kurz vor!

Ich bin eine 26-Jährige Braunschweigerin, die – denke ich – Ihr Herz am rechten Fleck trägt. Ich liebe meine Stadt und die Menschen hier. Hauptberuflich arbeite ich als medizinische Fachangestellte in einer großen Familenpraxis. In meiner Freizeit schreibe ich hin und wieder Texte für ein Stadtmagazin. Ich genieße meine Freunde, meine Familie und das Leben.

Gibt es ein Kunstwerk in Deinem Leben, das Dich besonders beeindruckt hat?

Ich denke, die Kunst des Lebens hat mich besonders beeindruckt, Menschen um mich herum haben mich besonders erstaunt und geprägt.

Du hast konsequent ein Projekt ins Leben gerufen, das seit Wochen für Schlagzeilen sorgt. Worum handelt es sich dabei und welche Motivation steckt hinter?

Ich habe die Internetplattform Facebook genutzt und meine Idee dort veröffentlicht, was schnell auf großes Interesse der Leser stieß. Es geht darum, die Krankenhäuser unserer Stadt zu verschönern. Die Räumlichkeiten für Patientin bunter zu gestalten und Ihnen dadurch den Aufenthalt dort so angenehm wie möglich zu gestalten. Daher habe ich die Braunschweiger dazu aufgerufen, selbstgemalte Bilder, Fotografien oder Collagen an die Krankenhäuser abzugeben. Meine Motivation ist der Wunsch, den Zusammenhalt und die Zwischenmenschlichkeit zu stärken. Ich hoffe, dass sich das Projekt weiterentwickelt und wir gemeinsam unsere Stadt etwas lebendiger, fröhlicher und positiver gestalten.

Auf Deiner offiziellen Facebookseite, „Eine Sache des Respekts“ hast Du ein Zitat von Vincent van Gogh gewählt: „Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren.“ Was möchtest Du mit dem Zitat vermitteln?

2Mit dem Zitat möchte ich zum Ausdruck bringen, dass wir alle einfach mal etwas mehr für unser Glück kämpfen sollten, uns mehr trauen sollten und aufhören sollten, nur zu träumen. Wir sollten einfach mal wagen. Die Seite ist auch eine Plattform, um Ideen zu sammeln, und eine Möglichkeit sich über die Aufrechterhaltung des Projektes austauschen zu können.

Was verbindet Kunst mit Krankenhäusern?

Ich habe diese beiden Dinge bisher leider nie miteinander verbunden erlebt. Doch diese Aktion beweist mir, dass nichts unmöglich ist und selbst „dieser“ Ort, der immer mit Krankheit, Trauer, Schmerz und Leid verbunden wird, auch einen Hauch Fröhlichkeit, Lebendigkeit und Farbe erhalten kann. Viele Menschen aus Braunschweig und Umgebung senden oder bringen mir zahlreiche Kunstwerke vorbei. Auch viele etablierte Firmen, Jugendzentren und Kindergärten bringen sich sehr engagiert in das Projekt ein und wollen unbedingt bei der Übergabe der Bilder dabei sein.

Welche Reaktion hat das Klinikum Celler Straße gezeigt?

Das Klinikum war anfangs verwundert und überrascht, hat sich schließlich aber sehr dafür eingesetzt, dass die Aktion umgesetzt werden kann, wofür ich sehr dankbar bin.

Hat das Projekt deiner Meinung nach eine Chance, sich in Braunschweig zu etablieren?

3Absolut! In dieser Stadt steckt eine Menge Energie, die raus will und muss. Ob das Projekt Erfolg hat und fortbesteht, wird sich am 31. Januar zeigen.

Welche Unterstützung erhältst Du von der Stadt Braunschweig, und was wünschst Du dir?

Direkte Unterstützung erhalte ich von der Stadt nicht. Ich gehe aber auch einfach selbst auf die „Großen“ der Stadt zu und renne absolut überall offenen Türen ein, was mich wirklich überwältigt.

Wie kann man das Projekt unterstützen?

Nehmt euch bunte Farben, einen guten Gedanken und malt drauf los… das ist alles!

Text und Fotos: Anja Sniehotta

Eine Sache des Respekts: Samstag, 31. Januar, 15 Uhr Klinikum Celler Straße, 38114 Braunschweig

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