• "sumsum" 2008

  • "TANZende #4 & #5" 2014

  • "Baumpunkte (three points)" 2013

  • Zwei Musikstudierende aus Gdansk (Danzig) spielten einen Mix aus Klassik und irischen Stücken.

Wo ist Rosa? Mit Künstler Volker Veit auf Spurensuche in der galerie auf zeit

Am 11. Juli fand in der „galerie auf zeit – räume für kunst“ die Ausstellungseröffnung „Intermezzo – wo ist Rosa“ von Volker Veit  statt.

Wer die galerie auf zeit – räume für kunst noch nicht kennt: Die „galerie auf zeit“ ist ein Projekt, das „nomadisierend Leerstände in Galerieräume verwandelt“. Damit hat Galerist Hans-Gerd Hahn übrigens schon vor 13 Jahren angefangen – lange bevor der Begriff „Zwischennutzung“ bei uns populär wurde. Seit 2001 lässt sich die kreative Leuchtspur der „galerie auf zeit“ durch das Braunschweiger Stadtgebiet verfolgen. In dieser Zeit konnten sich bereits dutzende regionale und überregionale Künstler, natürlich auch Studierende und Absolventen der HBK, in den wechselnden Räumen der „galerie auf zeit“ in Szene setzen.

Die galerie auf zeit in der Schlosspassage 6.

Die „galerie auf zeit“ in der Schlosspassage.

Zurzeit hat Kunstnomade Hahn sein Galeriezelt in der Schlosspassage 6 aufgeschlagen. Seit dem 11. Juli zu Gast in dem kleinen zweigeschossigen Ladenlokal mit der klassisch-modernen Glasfront: BBK-Künstler Volker Veit aus Wolfsburg, der im Erdgeschoss mit Malerei und Installationen die Fortsetzung seines Rosa-Zyklus präsentiert. Im Obergeschoss knüpft Veit an das Thema der aktuellen BBK-Jahresausstellung „Intensivstation“ im raumLabor an der Hamburger Straße an.

„Wo ist Rosa“ ist eine aktuelle Arbeit aus dem Jahr 2014, die Veits Installation „Rosas Traum“ thematisch weiterführt. „Rosas Traum“ war letztes Jahr u.a. im Garten der BBK-Torhaus-Galerie zu sehen und ist das Ergebnis von Veits künstlerischer Auseinandersetzung mit dem in Braunschweig aufwändig inszenierten Jahr 1913. Die offizielle Veranstaltungsreihe „Braunschweig: Zwischen Monarchie und Moderne“ hat sich trotz kritisch-fundiertem Programm nicht recht von dem Image einer royalen Jubelarie als Marketinggag trennen können. Veit hält 2013 mit „Rosas Traum“ dagegen: Ein künstlerisches Schlaglicht auf Rosa Luxemburg und das einhundertjährige Jubiläum ihrer „Schriften gegen den Sumpf“.

Veit geht es darum, die gesellschaftliche Realität seinerzeit abzubilden: „Ich möchte die damaligen Proteste, das Leben auf der Straße aufzeigen“. Und so ist von dem verheißungsvollen, mutigen und weltgewandten „Rosas Traum“ ein Jahr später nur noch ein von Wetter und Zeit gegerbter Panzer geblieben. Rosa ist fort, ist dem bedrohlichen Arrangement entflohen, aber hat gleichzeitig ihren Schutz und ihre Verwurzelung preisgegeben.

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Wo ist Rosa?

Wo ist Rosa? Geben die beiden zugehörigen Frottagen an der Wand einen Hinweis? Ist vielleicht der Bruch mit den Sozialdemokraten 1914 angedeutet oder der Beginn des Ersten Weltkriegs? Der Titel deutet bereits an, dass der Betrachter von Veits Installation die Antwort ein Stück weit selbst suchen muss. Veit lädt nicht nur zum Nachdenken ein, er fordert dazu auf. Und seine Kunst ist politisch – auch ohne ein explizites politisches Statement abzugeben: „Kunst ist immer politisch. Eine völlige künstlerische Freiheit von tagespolitischen und historischen Einflüssen gibt es nicht“, so Veit. Das macht seine Kunst sehr interaktiv, seine Themen sind gehaltvoll und voller Assoziationen, setzen allerdings auch eine gewisse Kenntnis des Objekts voraus. Veits Kunst reflektiert, allerdings nicht im Sinne einer – leider allzu häufigen – künstlerischen Selbstbespiegelung, sondern sie reflektiert ihr gesellschaftliches Umfeld.

Volker Veit und "TANZende"

Volker Veit hat noch lange nicht „ausgespielt“.

Dazu passt auch das Thema Nachhaltigkeit, das sich still und leise durch Veits ausgestellte Werke zieht: Einerseits thematisch, wenn er sich in „Baumpunkte (three points)“ mit dem Gegensatz von urbaner Lebenswelt und Natur auseinandersetzt. Andererseits fallen handwerklich die Naturmaterialien Leinen und Holz auf. Aber bei Veit steckt sehr offensichtlich mehr dahinter, ein Konzept, eine Idee, eine Grundhaltung. So hat er sich z.B. intensiv mit der italienischen Arte Povera der späten 1960er Jahre beschäftigt, die bewusst alltägliche, naturnahe Materialien nutzt. In Kombination mit seinen lebensnahen, assoziationsreichen Themen macht er seine Kunst darüber hinaus auch sozial nachhaltig: Er lässt seine Werkstücke nicht nur unter Wettereinfluss altern („wo ist Rosa“), sondern lässt sie von anderen Künstlern bespielen („ausgespielt“) und setzt sie in immer neue Sinnzusammenhänge („TANZende“).

Volker Veit sieht seine Kunst nicht als solitären Geniestreich, sondern als Prozess, der in der Schaffung eines Werkes lediglich seinen Anfang nimmt: „Wie ein Baby, das man entlässt, um dann wahrhaftig zu werden“. Eine sympathische und bescheidene Einstellung, die seinen Werken gleichzeitig ein hohes Maß an Flexibilität und Aktualität verschafft. Folgerichtig ist „wo ist Rosa“ ein „Intermezzo“, ein Zwischenspiel, und man darf gespannt sein, was als nächstes kommt. Vorher sollte man in jedem Fall selbst auf Spurensuche gehen – bis zum 9. August in der „galerie auf zeit“.

Text: Jan Engelken

Fotos: Stephen Dietl

Volker Veit: „Intermezzo: wo ist Rosa“
Bis 9. August in der galerie auf zeit – räume für kunst
Schlosspassage 6
Öffnungszeiten:
Mi. – Fr. 15-18:00h
Sa. 13-15:00h
Eintritt frei

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