Bock auf Jamsession? Jazzsession38 bietet Jazzern Gelegenheit sich zu erproben

Bock auf Jamsession? Jazzsession38 bietet Jazzern Gelegenheit sich zu erproben

Man würd ja schon gern mal, aber trauen tut man sich nicht so recht. Oder aber man traute sich schon, bloß wo kann man? Es geht ums Musizieren, nicht um Sex. Da spiele ich ein Instrument, übe und übe. Wo aber stehe ich eigentlich? Wie kriege ich heraus, ohne zu viel zu riskieren, was ich drauf habe? Wer bringt mir ganz praktisch Tricks und Schliche bei? Wie kann ich meinen Sound verbessern, wie kann ich das Grooven lernen? Wie bekomme ich das Feeling fürs Interplay? Wie reagiert eine sachkundige Öffentlichkeit? Wo kann ich Kontakte herstellen zu anderen, eventuell eine Band gründen oder irgendwo mitspielen? Viele Fragen und eine Antwort. Am besten beim Jammen, bei Sessions, bei der Open Stage. Kurz: bei den Terminen der Jazzsession38.

Was das ist, kann man rauskriegen, wenn man im Netz unter www.jazzsession38.blogspot.com forscht. Eigentlich ist das nichts Neues. Jazzsesssions gab es schon vor geraumer Zeit. Bassgeige, Bolle und Jammen, das war eins. Mit Ausstrahlung weit über den Braunschweiger Raum hinaus. Es muss aber immer jemand die Flamme am Brennen halten. Irgendwann war sie aus. Bis vor drei Jahren das Bedürfnis nach Sessions wieder stark genug war und ein Team sich daran machte, wieder bei Bolle anzuklopfen. Vorsichtig erst einmal mit großen Abständen. Aber siehe: die Nachfrage war groß und es entwickelte sich ein gut organisierter Ablauf.

Das Team der Jazzsession38

Das Team der Jazzsession38

Man kann ja schließlich nicht nur einen Haufen Musiker an einem Ort versammeln. Man braucht eine Sessionband als Fundament. Eine Truppe, die eigentlich alles spielen kann, zumindest ansatzweise. Swing, Bop, Jazzrock, Freestyle. Balladen, Uptempo-Nummern. Latin, Blues, Gypsy – egal. Und dann eben Leute, die sich trauen. Die Ideen mitbringen. Natürlich irgendwie nachvollziehbar für andere. Also verschriftlicht, instrumentkompatibel. Kopien aus dem Jazz-Kompositionskonvolut „Real Book“ etwa. Man kann sich auch einfach einklinken ins Spiel der Sessionband. Bei irgendwelchen Standards. „‘Round Midnight“ oder „April in Paris“, Gershwin-Nummern oder Cole Porter Songs. Was auch immer. Und damit es kein Chaos gibt, ist da der Moderator, der alles cool auf Reihe bringt.

Und was ist, wenn da jemand auf dem Egotrip ist? Die Erfahrungen sind gut. Das regelt die Community selbst schmerzlos. Aber – wenn etwas völlig daneben geht? Auch da gibt es keinen Grund für Unruhe. Das Braunschweiger Publikum ist gut, es kennt keine Häme. Es ist vielleicht von Vorteil, dass es hier keine Musikhochschule gibt, deren Absolventen ständig sich und anderen etwas beweisen müssen. Man ist relaxt.

Und nebenbei: Sesssions sind nicht nur für Musiker interessant. Für die Zuhörer ist es durchaus von Interesse, wie sich ein Zusammenspiel entwickelt. Ob etwas zu grooven beginnt, wer improvisatorisch schon eigenständig ist oder aber eher noch im Konventionellen steckt. So ist es mitunter sehr voll bei den Sessions, nichts für Platzängstliche. Und wo man seine Klamotten hinlegen soll, weiß man auch nicht immer. Übrigens: alles ohne Eintritt! Non-Profit-Chose. Muss ja auch mal gesagt werden.

Das Ganze lief jedenfalls so gut, dass jeden Monat einmal Sessiontime angesagt war. Und weil Bolle ja auch eigene Konzerte präsentierte, musste ein zweite Location gefunden werden. Das war das „Viertel Nach“ im Uni-Viertel, heute heißt es „Quartier“.

Freilich – ohne Idealismus, ohne Hingabe und Selbstausbeutung, ohne glückliche Umstände läuft so etwas nicht. Das ist schon ganz wunderbar, wenn Piano-Schimmel im „Quartier“ das Klavier kostenfrei anliefert und zur Verfügung stellt. Gut auch, dass die Initiative Jazz-BS ein Anschubfinanzierung leistete. Und dass Equipment bereitgestellt wird, Sessionbands sich bereitfinden für einen ganzen Abend, die Netzrepräsentanzen gepflegt werden, ein Team die Kernbetreuung leistet. Da wäre es mitunter schon ganz gut, wenn man über Sponsoren das ein oder andere finanziell honorieren könnte. Die Hoffnung soll angeblich zuletzt sterben, also hoffen wir auf Gönner. Wär schon schön.

Fazit: Wer unberechenbar-interessante Jazzmucke erleben will, ohne Netz und doppelten Boden, wer sich selbst austesten will als Musiker, der findet bei den 38Sessions den idealen Boden.

Text und Foto: Klaus Gohlke

Nächster Sessiontermin: Samstag, 24. Januar 2015 im Quartier ab 20 Uhr. Null Eintritt. Weitere Termine unter der Blog-Adresse oben.

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