Die Bekloppten waren wieder los, oder: Jour Fixe 13 im LOT
Moderation von Affe und Schwein.

Die Bekloppten waren wieder los, oder: Jour Fixe 13 im LOT

Affen, Schweine, Europa, Nazis und die neusten Homeshopping-Artikel zur Steigerung von Schönheit und Wohlbefinden – Beim 13ten Jour Fixe im LOT-Theater stellten Studierende der HBK unter Beweis, dass performative Kunst und Bildung anspruchsvoll und unterhaltsam zugleich sein können.

Als Außenstehender begegnet man Veranstaltungen von Studierenden der HBK in der Regel mit einer gewissen Skepsis. Denn nicht selten beschleicht einen angesichts des eigenen Unvermögens, das Dargebotene zu würdigen, ja überhaupt zu verstehen, der Verdacht, einfach nicht intelligent genug für „sowas“ zu sein. Schließlich haben „die“ das studiert; da muss also was dran sein. Weniger selbstkritische Zeitgenossen reagieren ähnlich, allerdings auf ihre eigene Art: „Oh Mann, die Bekloppten sind wieder los!“ oder „Das könnte ich aber auch!“. Nennen wir es einfach Selbstschutz.

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„Werbepause“ mit Eileen Winkler und Selina Rössler.

Doch hin und wieder wagen sich Studierende aus ihrer Trutzburg HBK ans Licht der vermeintlich (?) provinziellen Braunschweiger Öffentlichkeit, um den Gegenbeweis anzutreten. So auch am vergangenen Donnerstag beim 13ten Jour Fixe im – wie immer schon wenige Minuten nach Einlass brechend vollen – LOT-Theater. Und, so viel sei bereits jetzt verraten, es ist ihnen gelungen!

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„Der unsichtbare Dritte“ mit Frederik Günther und Paul Stevens-Führing.

Aus Platz- und Zeitgründen soll an dieser Stelle auf eine detaillierte Einzelkritik der Beiträge verzichtet werden. Wer daran wirklich Interesse hat, war sowieso wieder persönlich vor Ort. Alle anderen haben Pech gehabt – und ein wenig Exklusivität muss ja schon noch sein bei universitärer Kunst und Kultur, nicht wahr?

Für die Nachwelt muss eigentlich nur festgehalten werden, dass pseudointellektuelle Ausfälle, also Nummern, bei denen man mit seinem Sitznachbarn verlegene Blicke austauscht oder nervös auf die Uhr schaut, sich diesmal auf nur ein oder zwei Darbietungen beschränkten. Und sowas gehört schließlich auch irgendwie dazu. Aber Fremdscham stellte sich diesmal (zugegeben: leider) gar nicht ein.

"Eine Tanzeinlage" mit Sandra Berger und Frederik Günther.

„Eine Tanzeinlage“ mit Sandra Berger und Frederik Günther.

Bei mehr als einem Dutzend Beiträgen eine außerordentlich gute Quote, an der sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk ruhig mal ein Beispiel nehmen könnte. Die meisten Darbietungen waren schlichtweg wirklich gut, handwerklich gekonnt, unterhaltsam, zum Nachdenken anregend oder einfach zum Brüllen komisch (und das nicht unfreiwillig – Chapeau!). Eine weitere Steigerung zum – ebenfalls gelungenen – Jour Fixe 12 im vergangenen Jahr.

Besonderes Lob gebührt auch diesmal wieder den Moderatoren Affe und Schwein. Trotz anstregendem Job im Tierversuchslabor opferten sie ihren wohlverdienten Feierabend, um das Publikum mit jeder Menge Witz und sprichwörtlich fabelhafter Weisheit durch den Abend zu führen.

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„Adressat unbekannt“ von Danny Ueberschär und Frederik Günther.

Mit dem 13ten Jour Fixe hat das Team des Instituts für Performative Künste und Bildung der HBK wieder einmal unter Beweis gestellt, dass der kreative Output ihrer Studierenden ein breites Publikum ansprechen und hervorragend unterhalten kann. Derlei Schritte in die städtische Öffentlichkeit geschehen aber immer noch viel zu selten. Oftmals hat man das Gefühl, man bleibe lieber unter sich und sei hier sowieso nur auf Zwischenstation auf dem Bildungsweg nach Berlin. In genau diesem besten Sinn bleibt also zu sagen: Braunschweig braucht mehr HBK!

Text und Fotos: Stephen Dietl

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