Kopf & Kragen VIII – die Autoren Finn und Marcel im Interview

Kopf & Kragen VIII – die Autoren Finn und Marcel im Interview

Am Samstag betreten die Jungs von Kopf & Kragen endlich wieder die Bühne. In der DRK-Kaufbar steht die achte Ausgabe der Braunschweiger Lesebühne auf dem Abendprogramm.

„Kopf & Kragen VIII“ markiert dabei gleichzeitig das zweijährige Bestehen des Lesebühnen-Trios, das alle drei Monate die Öffentlichkeit sucht, um die richtigen Worte zu finden – mit Erfolg, denn ein wachsendes Stammpublikum beschert der DRK-Kaufbar regelmäßig ein volles Haus. Kopf & Kragen sind Autor Finn Bostelmann, Sänger und Musiker Sven Waida (Fossajar, EiKo e.V.) sowie Autor und Projektemacher Marcel Pollex (Katze Bullshit, 12×12, The Punchliner), dessen Erstlingswerk „In höflicher Ablehnung“ gerade frisch erschienen ist. Wir haben uns mit Finn (29) und Marcel (36) getroffen und unser Gespräch war in etwa so, wie man sich einen Auftritt von Kopf & Kragen vorstellen muss: humorvoll, unterhaltsam – und ein bisschen absurd.

Kopf & Kragen wird in diesem Monat 2 Jahre alt. Wie hat es angefangen?

Marcel: Die Geschichte von Kopf & Kragen begann mit dem Ende der Bumsdorfer Auslese, der früheren Braunschweiger Lesebühne. In dem Zeitraum habe ich schrägerweise Finn Bostelmann bei einem gemeinsamen Ausflug nach Gifhorn kennen gelernt.

Zum Tankumsee?

Marcel Pollex von Ralf-B. Poschadel

Marcel Pollex. Foto: Ralf-B. Poschadel

Marcel: Nein, leider nicht (lacht). Ich weiß nicht, ob wir uns in dem Fall auch genauso beeindruckt hätten. Nein, es war eine Lesung, bei der wir beide aufgetreten sind und da haben wir uns gut verstanden. Ich hatte schon längere Zeit vor, eine neue Lesebühne zu gründen und dann sind wir ziemlich schnell auf die Idee gekommen, das gemeinsam zu machen.

Finn: Ich habe meine ersten Bühnenerfahrungen beim Poetry Slam gesammelt und habe eigentlich auch schon von Anfang an gewusst, dass ich eine eigene Lesebühne haben möchte. Das hat sich sehr schön gefügt.

Musiker und Sänger Sven Waida macht euer Trio komplett. Seit wann ist er dabei?

Sven Waida von Andreas Reiffer

Sven Waida. Foto: Andreas Reiffer

M: Sven ist auch von Anfang an bei Kopf & Kragen dabei gewesen. Ich habe Sven glaube ich bei der vorletzten Bumsdorfer Auslese kennen gelernt. Damals hatten wir freestylemäßig etwas gemacht, ich habe einen Text vorgetragen und er hat dazu Klavier gespielt. Das lief künstlerisch einfach toll und so gut, dass ich überlegt habe, ob wir ihn nicht auch fragen können. Finn und ich waren uns da allerdings nicht sicher – einfach deshalb, weil er so unfassbar gut ist. Aber er hat sich darauf eingelassen.

Wer euch auf der Bühne erlebt, merkt, dass ihr sehr gut harmoniert, die Chemie zwischen euch stimmt. Was ist euer Erfolgsrezept?

F: Wir waren uns auf jeden Fall von Anfang an einig, dass wir noch Musik bräuchten. Von daher ist das mit Sven dann sehr gut aufgegangen. Und was den Rest anbelangt: Gute Rezepte verrät man ja ungern…

Finn Bostelmann von Andreas Reiffer

Finn Bostelmann. Foto: Andreas Reiffer

Gibt es eine Art Rollenverteilung bei euch? Marcel ist der Extrovertierte, Finn gibt den ruhenden Pol und Sven übernimmt den musikalischen Part?

F: Ist das so? Naja, man kann sagen, dass ich die Leute wieder beruhige, nachdem Marcel sie aufgewühlt hat (lacht). Aber ich denke, dass wir grundsätzlich ähnliche Texte haben, allerdings ohne dass es feste Vorgaben gibt. Die Art unserer Beiträge unterscheidet sich von Auftritt zu Auftritt. Mal bringt man etwas Schnelles, Holpriges, mal etwas Ruhiges. Wir sind da einfach sehr offen.

Wie entstehen die Texte für eure Lesebühne? Ist das der Stoff, der sich bei euch über drei Monate ansammelt?

F: Ganz genau.

M: Es ist eine Werkschau, auf jeden Fall. Daraus entsteht auch ein gewisser Druck für uns, alle drei Monate ausreichend Stoff für jeweils 20 Minuten zusammenzuschreiben. Das ist ziemlich viel Material und umfasst normalerweise unseren gesamten literarischen bzw. musikalischen Output eines Vierteljahres. Es ist also nicht so, dass man sich vor den Auftritten noch großartig etwas aussuchen könnte. Dazu muss man wissen, dass die allermeisten Lesebühnen auch mehr Mitglieder haben als Kopf & Kragen.

Für unsere jüngeren Leser: was ist der Unterschied zwischen Lesebühne und Poetry Slam?

M: Beim Poetry Slam ist das Ziel eine hohe Punktzahl. Ich vermute schon, dass Texte in erster Linie mit dem Ziel geschrieben werden, beim Publikum anzukommen – was auch okay ist, aber bei Kopf & Kragen macht das keiner. Hier schreibt jeder die Texte, die er selbst toll findet. Finn und ich haben beide auch schon geslamt und es ist nichts Ungewöhnliches, dass Lesebühnen-Autoren bei Poetry Slams auftreten, man kennt sich halt. Momentan machen wir das aber kaum noch, die Lesebühne ist unsere Nische.

Die Lesebühne ist kein Poetry Slam und sie ist auch keine Comedy-Veranstaltung, trotzdem bringt ihr euer Publikum zum Lachen. Stehen bei euch Satire und Humor im Vordergrund?

M: Ich weiß nicht…

F: Na, meist ist es schon lustig, Marcel!

M: Ja? (lacht) Wir tun uns immer schwer mit der Einordnung. Zu Anfang hatten wir in unseren Newslettern „satirisch, lyrisch, absurd“ drinstehen – das ist Käse, das haben wir gestrichen. Es ist mit Sicherheit auch lustig, keine Frage, aber darauf wird nicht abgezielt.

Ihr geht jetzt in die achte Runde. Was hat sich in der Zeit getan, gab es eine Entwicklung bei euch?

F: Ja, denn beim ersten Mal hatte ich noch sehr viele Texte in der Hinterhand – jetzt nicht mehr. Und es war anfangs eigentlich alles Lyrik bei mir, es hat sich alles gereimt. Ich bin auf jeden Fall experimenteller geworden, probiere bei Text und Vortrag mehr Dinge aus.

Gruppenbild live von Andreas Reiffer

Kopf & Kragen live. Foto: Andreas Reiffer

M: Wir haben uns unserer Gesamtvision von Kopf und Kragen immer weiter angenähert. Häufig ist es so, dass sich einfach die fünf erfolgreichsten Autoren der Stadt zusammentun und die schmeißen dann eine Lesebühne. Aber unsere Lesebühne soll sich von anderen unterscheiden, ein eigenes Charisma haben. Deshalb haben wir uns Sachen einfallen lassen wie das beliebte „tot oder nicht tot?“-Spiel oder den Fragebogen, mal ein Intro oder Outro von Roland Kremer zwischendurch – alles ein bisschen skurriler als sonst.

Gibt es Absprachen vor dem Auftritt?

F: Mit den Texten sprechen Marcel, Sven und ich uns nicht ab, nur in Bezug auf den Gesamtaufbau der Vorstellung. Da sitzen wir dann zusammen und überlegen, was wann passieren könnte.

M: Genau, ansonsten plant jeder für sich sein Programm.

Was erwartet die Leute am Samstag?

F: Also auf jeden Fall gute Texte, gute Musik und dann gibt es immer noch ein paar Gimmicks, wie wir das nennen: also es passiert noch etwas darüber hinaus, was wir jetzt natürlich noch nicht verraten. Etwas, das zum einen unterhaltsam ist und zum anderen zum Nachdenken anstößt… oder so…

Gibt es noch etwas zu eurem Jubiläum zu sagen?

M: Eigentlich feiern wir ja keine Jahrestage. Wir haben Kopf & Kragen V gefeiert, wir werden Kopf & Kragen X feiern, aber das zweijährige Jubiläum spielt jetzt keine größere Rolle. Ok, Kopf & Kragen VII haben wir natürlich gefeiert – wegen der Sieben halt. Aber verglichen mit der Sieben ist die Acht natürlich eine völlig unbedeutende Zahl…

F: Also mir bedeuten die zwei Jahre schon etwas, ich finde das gut…

M: Ja, aber…

F: … und ich werde das auch erwähnen. Ich bin ja auch diesmal mit der Anmoderation dran. Ich werde das sagen!

Das Jahr 2015 ist noch frisch. Worauf freut ihr euch in diesem Jahr?

F: Auf den Sommer!

M: Sommer… ? Ich freue mich auf den Winter.

Marcel, Finn, vielen Dank für das Interview!

Text: Jan Engelken
Titelbild: Rasmus Bell

Kopf und Kragen 8 Flyer

Kopf & Kragen VIII
am 21. März 2015 um 20:30 Uhr
in der DRK-Kaufbar, Helmstedter Str. 135
Eintritt 5€ (nur Abendkasse)

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