Mit Schmackes und ohne Heldenverehrung – Diana Krall beschließt eindrucksvoll Movimentos 2014

Mit Schmackes und ohne Heldenverehrung – Diana Krall beschließt eindrucksvoll Movimentos 2014

Entschlossenes Betreten der Bühne, kurzer Smalltalk mit dem Publikum, knappes Anzählen, und ab geht die Post. Sie schien etwas vor zu haben, die Grammy- und Edelmetallsammlerin Diana Krall aus Kanada. Vielleicht eine Rückbesinnung auf alte Tugenden. Und sie witterte den günstigen Moment dafür! Ihren Samstagabend-Auftritt als Abschluss der Movimentos-Festwochen 2014 im Kraftwerk.

Keine Melancholie-Krall á la „The girl from the other room“. Auch nicht die Ziegfeld-Follies mit Talmiglanz, wie auf ihrer letzten CD „Glad Rag Doll“. Vielmehr die Jazz-Krall mit ihren Interpretationen von Songs aus dem „Great American Songbook“ und dem, was aus jüngerer Zeit ihrer Ansicht nach dem nahe kommen könnte. Und das mit Schmackes ohne Heldenverehrung! Irving Berlin, Cole Porter, Brooks Bowmann und Nat „King“ Cole hätten sicher ihre Freude gehabt an dem, was das Quartett an Originalität im Umgang mit ihren Songs aufscheinen ließ. Natürlich ist da Kralls Stimme, insbesondere ihre Phrasierung bemerkenswert, überhaupt Ihre Fähigkeit, gezielt mal einen angerauten-rauchigen Klang, Vernuschelungen, Sprechgesang und präzise, druckvolle Passagen abzurufen.

Begeisterung riefen nicht zuletzt die instrumentalen Passagen hervor. Man musste eins ums andere mal um den Gitarristen Anthony Wilson fürchten, wie er bei dem teilweise höllischen Tempo der Stücke seine Soli durchstehen wollte. Feine Improvisationen über die Melodien, verblüffende Akkordprogressionen – keine Anzeichen von Schwäche. Das gilt übrigens auch für die Pianistin Krall. Durchdachte Entfernungen vom tonalen Zentrum waren unüberhörbar. Als Gegengewicht gab es dann die Rückgriffe auf die klassischen Riffs, Floskeln, repetitiven Muster, Cluster-Akkorde, mitunter fast schon ans Klischeehafte grenzend. Bemerkenswert respektvoll, dass Robert Hurst am Bass als absolut gleichwertiger Solopartner viel Raum erhielt. Zusammen mit dem Synkopen-Derwisch Karriem Riggins am Schlagzeug brach er die rhythmische Struktur der Songs auf, dass es eine Freude war.

Völlig quer dazu Kralls Solo-Interpretation von Bob Dylans „Simple twist of fate“. Wo der die emotionale Annäherung stimmlich und musikalisch verweigert, geht Krall ans Eingemachte. Totenstille im Kraftwerk. Ähnlich irritierend ihre Interpretation von Tom Waits „Temptation“. Wo Waits heult und ächzt, dass einem klar wird, dass die Versuchung existenzbedrohend ist, da scheint Krall der Unwiderstehlichkeit gegenüber der Versuchung einen Reiz abzugewinnen. Wie auch „Let’s fall in love“ eher als ein Befehl, denn als zarter Wunsch erklingt. Durchaus witzig, die Frau.

Ein toller Festwochenabschluss, ein hoch zufriedenes Publikum.

Text: Klaus Gohlke

Foto: Alik Keplicz

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