Musikalische Begleitung der Extraklasse: Christoph Braun über das Festival Theaterformen 2016-Musikprogramm

Musikalische Begleitung der Extraklasse: Christoph Braun über das Festival Theaterformen 2016-Musikprogramm

Vom 9. bis 19. Juni findet das Festival Theaterformen 2016 statt, gerade wurde das Programm der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Festival, das im jährlichen Wechsel in Hannover und Braunschweig zu Gast ist, zieht die internationale Theaterszene in diesem Jahr wieder in die Löwenstadt. Themenschwerpunkt 2016 ist Theater aus Ost- und Südostasien. Festivalleiterin Martine Dennewald hat dazu Gastspiele aus Bangkok, Kuala Lumpur, Seoul, Singapur und Tokio nach Niedersachsen eingeladen. Weitere Arbeiten aus Argentinien, Syrien und der Ukraine bringen Themen mit aktuellen politischen Bezügen auf Braunschweigs Bühnen. Insgesamt stehen rund 90 Veranstaltungen auf dem Festivalprogramm, wobei das erstklassige Theaterprogramm wie immer durch ausgesuchte Musikevents ergänzt wird. Verantwortlich für das Musikprogramm ist Christoph Braun. Wir haben Christoph, den es vor Kurzem aus der Region in die Hauptstadt gezogen hat, gefragt, was das Festival-Musikprogramm in diesem Jahr zu bieten hat.

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Hier geht’s zum Festivalzentrum (Foto: Andreas Etter)

Hallo Christoph, alle zwei Jahre versammelt das Festival Theaterformen nicht nur die internationale Theater-Szene in Braunschweig, sondern präsentiert auch regelmäßig sehr feine Music-Acts. Warum spielt die Musik eine so große Rolle beim Festival Theaterformen?

Da möchte ich zunächst als ehemaliger Besucher antworten: Wahrscheinlich spielt die Musik eine so große Rolle, weil sie viele Jahre lang vom verstorbenen Jörg Zboralski mit großer Liebe programmiert worden war. Als Musikkurator darf ich in diesem Jahr meine Theaterformen-Premiere für Braunschweig feiern. Zuvor aber waren die Konzerte wegen der Band-Auswahl und auch wegen des Ortes im Theaterpark an der Oker immer ein kultureller Höhepunkt für mich.

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Christoph Braun erarbeitet das Festival-Musikprogramm (Foto: Martin Salzer)

Du bist in der zweiten Saison verantwortlich für das Musikprogramm. Woher kommt Deine Erfahrung im Musikbereich?

In den Jahren 2006 bis 2009 habe ich die Konzerte, aber auch Lesungen, Filmvorführungen und Premierenpartys am Deutschen Theater Berlin organisiert. Zuvor hatte ich bereits das Konzertprogramm des Steirischen Herbst in Graz, Österreich beraten. All das kommt von meiner Profession als Musikjournalist. Die Musikportale der Deutschen Musikindustrie habe ich mitentwickelt und ich schreibe für Musikmedien wie etwa Spex und Groove.

Mit wem arbeitest Du beim Festival Theaterformen zusammen?

Zunächst arbeite ich mit der Künstlerischen Leiterin Martine Dennewald und ihrer Assistentin Katharina Wisotzky zusammen. Das ist eine wunderbare Arbeit, da wir uns zwar bestens abstimmen können, ich jedoch inhaltlich freie Hand habe. Da das Kernteam der Theaterformen sehr überschaubar ist, gibt es zudem einen ständigen Austausch mit der Produktionsleitung, der Öffentlichkeitsarbeit sowie mit unserem neuen Geschäftsführer Malte Wegener. Je näher der Juni und somit das Festival rückt, desto wichtiger wird die Planung mit Frank Hamann, unserem Technikchef.

Inspiration, Idylle, ideale Location: Festivalzentrum (Foto: Andreas Etter)

Inspiration, Idylle, ideale Location: Das Festivalzentrum (Foto: Andreas Etter)

Wo setzt Du selbst Schwerpunkte im Musikprogramm 2016?

Der Schwerpunkt ist immer der Flow. Wir müssen uns bewusst sein, dass die Konzerte im Rahmen eines internationalen Theaterfestivals stattfinden. Es geht also immer darum, was kann ich den Leute aus Braunschweig und der Region anbieten? Was den Gruppen, die aus der ganzen Welt kommen? Letztendlich geht es mir immer darum, Pop zur Aufführung zu bringen, der seine eigenen Bezüge zur Gegenwart gefunden hat.

Theaterformen-Musikprogramm: Was ist Dir besonders wichtig?

Bei den Theaterformen gibt es zwei Dinge, die mir wichtig sind. Zum einen die Möglichkeit, das Programm von der Vorauswahl im Herbst bis hin zur Abendleitung jedes Festival-Konzertes zu gestalten. Und außerdem dieses extrem liebenswürdige, junge Team.

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“Krass-guter” Protopop: “Isolation Berlin” (Foto: Promo)

Auf welche Music-Acts kann sich das Publikum 2016 ganz besonders freuen?

Nun, hauptsächlich habe ich versucht, den Flow über Achsen zu bauen. Es gibt eine Indie-Achse mit den krass-guten Isolation Berlin, dem Doppelprogramm Kirrin Island und Okta Logue sowie den Lieblingen Stereo Total. Dazu einen Klumpen mit Jazz, da spielen die Echo-Gewinnerin Johanna Borchert, in deren Band unter anderem Moritz Baumgärtner von Bonaparte und auch Frittenbude an den Drums sitzt. Und dann kommt ja auch noch Friedrich Liechtenstein mit seinem Jazz-Trio. Schließlich: Party, zum Beispiel mit Beats voller Soul und Kopfverdrehung von Buttering Trio. Zur Abschlussparty spielen dann erst im Festivalzentrum Chefboss aus Hamburg, die halte ich für die nächsten Seeed. Und dann geht es zum Tanzen ins Kleine Haus des Staatstheaters mit Butch Cassidy vom Riptide als DJ und der Berliner House-Göttin Daniela La Luz. Schließlich sei hier noch einmal erwähnt: Der Drecksklub ist zwar unsere Braunschweiger Band, doch da all ihre Shows im LOT-Theater jedesmal sofort ausverkauft sind, bieten die Theaterformen eine einmalige Gelegenheit, Morja singen zu hören – das Geschöpf aus den Mooren.

Christoph, vielen Dank für das Gespräch!

Text: Jan Engelken
Titelbild: “Chefboss” (Foto: Promo)

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