Nervenkitzel beim Live-Hörspiel im Löwengarten! V. S. Gerling im Interview
Freuen sich auf Samstag: Löwengarten-Betreiber Andreas Köhler, Fanferlüsch-Gründungsmitglied und Tontechniker Malte Krug sowie Volker Schulz alias V.S. Gerling (v.l.n.r.).

Nervenkitzel beim Live-Hörspiel im Löwengarten! V. S. Gerling im Interview

Eine geheimnisvolle Mordserie an jungen Frauen, ein dubioses Unternehmen, das vorgibt, aus seinen Kunden bessere Menschen machen zu können und Psycho-Experimente mit dem menschlichen Bewusstsein: Das alles gibt es am kommenden Samstag im Braunschweiger Löwengarten zu hören – und zu sehen. Denn am 2. August führt Autor V.S. Gerling seinen neuen Thriller „Das Programm“ zusammen mit dem Theater Fanferlüsch als Open-Air-Live-Hörspiel in dem beliebten Biergarten im Prinzenpark auf.

Dass V.S. Gerling eigentlich Volker Schulz heißt, daraus macht der Braunschweiger Romanautor kein Geheimnis. Aber dafür verrät uns der 49-jährige im Kulturblog38-Outdoor-Interview im Löwengarten u.a., warum Altkanzler Gerhard Schröder ihn zum Schreiben bewegt hat, wie man aus einer Artischocke einen Thriller macht und natürlich, was das Publikum am Samstag erwartet.

Hallo Volker, du lebst erst seit drei Jahren in Braunschweig, wie ist es dazu gekommen?

Ich bin gebürtiger Hamburger und habe, bevor ich nach Braunschweig gezogen bin, in Bayern gewohnt. Seit 2009 war für mich klar, dass ich wieder in den Norden ziehen werde, erst dachte ich an die Lüneburger Ecke. Dann habe ich aber zu der Zeit auch meine Freundin Bettine Teleposzki von der Theatergruppe Fanferlüsch kennen gelernt, die in Braunschweig lebt und dann ist es eben Braunschweig geworden.

Was magst du besonders an deiner neuen Heimatstadt?

Autor Volker Schulz (Foto: Privat)

Autor Volker Schulz (Foto: Privat)

Ich wohne jetzt seit 2011 in Braunschweig und fühle mich hier unglaublich wohl. Ich wusste von Braunschweig vorher nur, dass es diese Stadt gibt, mehr nicht. Dann bin ich das erste Mal mit meiner Freundin durch die Stadt gegangen und war begeistert. Was ich an Braunschweig mag, ist das Grün, die Oker, das Kneipen- und Restaurantleben, das Kulturleben allgemein. Braunschweig ist einfach eine coole, junge und lebendige Stadt und das finde ich klasse. Für einen Schriftsteller ist das hier ein idealer Ort.

Wie bist du zum Schreiben gekommen, welche Vorbilder hast du?

Das Motiv für mein erstes Buch „Das Kanzlerspiel“ war Politikverdrossenheit. Damals war Gerhardt Schröder Kanzler und ich dachte mir: Verdammte Axt, das muss doch besser gehen! Ich habe dann einfach einen fiktiven Kanzler erfunden, der Sachen ganz anders macht – so einen würde es niemals geben, der hätte keine Chance, nach oben zu kommen. Ich hatte diese Idee und habe dann einfach drauf los geschrieben. Das mache ich immer noch so, ich habe eine Idee und die Story entwickelt sich im Prozess des Schreibens. So bin ich als Autor selbst überrascht, was passiert, das ist immer ziemlich cool (lacht). Meine Lieblingsautoren sind Nelson DeMille, John Connolly und – früher – Tom Clancy.

Welches sind deine Themen?

Ich bin der Meinung, dass man nur das gut schreiben kann, was man selbst auch gerne lesen würde. Ich mag es, wenn es in einem Roman um Tatsachen geht und um tatsächliche Begebenheiten eine fiktive Story gebaut wird, die aber genauso glaubwürdig ist, wie die Realität. Aus diesem Grund baue ich tagesaktuelle Dinge in meine Romane ein, seien es der Cavaliere Silvio Berlusconi in „Das Kanzlerspiel“ oder al-Qaida in meinem zweiten Buch „Pakt des Bösen“.

„Das Programm“ ist bereits dein dritter Roman. Ist die Schriftstellerei dein Hauptberuf?

Nein, die wenigsten Autoren können vom Schreiben leben, wie z.B. ein Frank Schätzing, ein Sebastian Fitzek oder ein Arno Strobel – wobei Strobel auch erst vor kurzem seinen ursprünglichen Job gekündigt hat. Das schnelle Geld mit Romanen, das funktioniert halt nicht. Wenn ich zumindest einen Teil meines Lebensunterhalts durch das Schreiben finanzieren kann, dann reicht mir das. Ich bin hauptberuflich freier Berater in der Medizintechnik und habe den großen Vorteil, dass ich mir meine Zeit frei einteilen kann: Ein Drittel schreibe ich, zwei Drittel widme ich meinem Job.

Worum geht es in dem Buch?

das_programm_bigIn Deutschland werden mehrere junge Frauen umgebracht. Die Taten werden immer brutaler und der Täter ist ein richtiges Phantom. Seine „Visitenkarte“ ist bei jedem Mord ein Strauß frischer Blumen und eine geöffnete Flasche Champagner am Tatort. Und die Opfer werden alle mit Ketamin betäubt. Nach und nach kommt das BKA-Ermittlerteam, Nicolas Eichborn und Helen Wagner, einem sektenähnlichen Unternehmen auf die Spur, denn vier der fünf Opfer sind Kunden der Firma „New Horizon“ gewesen. Das dubiose Unternehmen verspricht seinen Kunden, durch eine bestimmte Behandlungsmethode die Leistungsfähigkeit zu steigern und damit ein besserer Mensch zu werden. Ihre Ermittlungen führen die Ermittler zum Projekt „Artischocke“, ein Projekt zur Bewusstseinskontrolle, das im Kalten Krieg entstanden ist. Sie finden heraus, dass das Projekt geheim fortgeführt wurde, mit dem Ziel, den perfekten Killer zu erschaffen: Einen Mörder, der keine Hemmungen hat und sich der Tat im Nachhinein nicht mehr bewusst ist. Das wird durch eine spezielle Behandlungsmethode erreicht, die ich mir als Laie selbst ausgedacht habe. Wirklich erschreckend finde ich, dass Neurobiologen und Psychiater, mit denen ich über das Buch gesprochen habe, diese Methode tatsächlich für denkbar halten!

Wie ist es zu der Idee mit dem Live-Hörspiel hier im Löwengarten gekommen?

Merkwürdigerweise ist es in Braunschweig sehr schwer, eine Location für ein Open-Air-Live-Hörspiel zu finden. Ich hatte erst die Idee, das Hörspiel im Steigenberger Hotel zu machen, dazu ist es aber leider nicht gekommen. Dann standen meine Freundin und ich eines Tages vor dem Löwengarten und wir erinnerten uns an die tolle Atmosphäre dort während der letzten Fußball-EM. Wir haben dann einfach jemanden im Garten angesprochen und das war zufällig auch gleich der Inhaber Andreas Köhler. Dem habe ich die Idee geschildert und der war sofort dabei – und als klar war, dass auch kein Eintracht-Spiel parallel liegt, war die Sache perfekt (lacht).

Was erwartet die Gäste am Samstag?

Es werden einzelne Passagen aus dem Buch vorgetragen, die das Publikum mit der Story vertraut machen, aber natürlich ohne das Ende zu verraten – das kann man dann im Buch nachlesen. Die gesamte Geschichte zu erzählen, ist auch aus zeitlichen Gründen einfach nicht machbar. Unser Hörspiel wird 90 Minuten dauern, das ist eine gute Zeit für Gäste und Ensemble. Während dieser 90 Minuten haben die Gäste außerdem die Möglichkeit, sich am Grill und am Getränkestand zu versorgen: Ein Nackensteak und zwei Getränke sind im Eintrittspreis von 15€ enthalten!

Was ist das Besondere an dieser Hörspielfassung?

Im Gegensatz zu einer normalen Lesung bekommt hier jede Figur des Buches eine individuelle Stimme: Wir sind sechs Personen entsprechend den sechs Hauptfiguren in meinem Roman. Jeder spricht dazu noch eine Nebenrolle. Ich selbst spreche den Hauptprotagonisten, der Roman wird ja aus der Ich-Perspektive erzählt.

Man kennt die Fanferlüsch-Crew als Schauspielensemble, z.B. aus dem Roten Saal. Wie werdet ihr auf der Hörspielbühne im Löwenpark agieren?

Es ist ja ein Hörspiel und kein Theaterstück. Deshalb wird es auch keine entsprechende Inszenierung geben. Aber die Schauspieler werden auch nicht nur ins Manuskript starren, sondern dort, wo es dramaturgisch sinnvoll ist, miteinander ins Zwiegespräch treten. Man könnte es auch szenische Lesung nennen, allerdings gibt es bei uns auch Soundeffekte zu hören, die das akustische Arrangement noch plastischer und realitätsnäher erscheinen lassen werden.

Lieber Volker, vielen Dank für das Interview!

Text: Jan Engelken

Titelbild: Stephen Dietl

DAS PROGRAMM als Open-Air-Live-Hörspiel im Biergarten
Präsentiert von der Buchhandlung Graff & theater fanferlüsch
Am 2. August 2014 im Löwengarten, Herzogin-Elisabeth-Straße 78
Einlass 18:30 Uhr, Beginn 19:00 Uhr
Eintritt: 15€ inklusive Hörspiel, Nackensteak vom Grill und zwei Getränken
Kartenreservierungen bitte online unter http://www.fanferluesch.de/reservierung/aktuell_reservierung.php

ACHTUNG: Sollte es am 2. August regnen, findet das Open-Air-Event am 9. August zu gleicher Zeit statt: Karten behalten ihre Gültigkeit!

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