Neue Kunstlocation in Wolfenbüttel: Nina Heptner über „KUNST IM KOMM“

Neue Kunstlocation in Wolfenbüttel: Nina Heptner über „KUNST IM KOMM“

Als Citymanagerin der Stadt Wolfenbüttel war Nina Heptner u.a. für den Publikumserfolg „ARTGESCHOSS“ verantwortlich. Nach ihrem Abschied aus der Stadtverwaltung hat sie die Gründung des KOMMkultur e.V. initiiert und mit dem Verein ein weiteres unkonventionelles Kunstprojekt auf den Weg gebracht: die Ausstellung „peng“ feiert am kommenden Freitag Eröffnung im Wolfenbütteler KOMM, dem ehemaligen Asse Sport Center. Neben bekannten Künstlern aus der Region wie Manuela Karin Knaut, Friedhelm Kranz oder Bernhard Janitschke werden namhafte Künstler aus Berlin (u.a. Ralph Ali Eckert), Leipzig (Johan Schäfer), Hamburg (Tina Oelker) und Düsseldorf (Jan Holfhoff) vertreten sein. Das Projekt ist der Startschuss, um das KOMM in Zukunft auch als Ausstellungsort zu etablieren – Sport, kulinarischer Genuss, Kunst und Musik unter einem Dach, das ist die Vision von Nina Heptner. Im Interview schildert sie uns ihr ungewöhnliches Konzept.

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War bereits für das ARTGESCHOSS in Wolfenbüttel verantwortlich: Nina Heptner (hier 2014 mit ARTGESCHOSS-Kurator Dmitrij Schurbin, Foto: Stephen Dietl)

Hallo Nina, kommen wir zunächst zum KOMM. Was ist das?

Das KOMM befindet sich in den Räumen des ehemaligen Asse Sport Centers. Zu Beginn dieses Jahres haben mein Mann und ich zusammen mit Sven Siegmund und dessen Frau das Objekt übernommen. Wir sind für den Veranstaltungsbereich zuständig, Sven Siegmund und seine Frau kümmern sich als erfahrene Gastronomen um den Restaurantbetrieb.

Als Sport- und Eventlocation mit Restaurant war auch das Asse Sport Center schon bekannt. Was ist das Neue am KOMM?

Das Neue ist, dass wir diesen Ort jetzt für die Kunst öffnen. Wir werden in regelmäßigen Abständen Kunstschaffenden die Möglichkeit bieten, das Objekt als Präsentationsraum, Arbeits- oder Projektionsfläche zu nutzen. Wir wollen das Ganze auf komplett neue Füße stellen, wobei es weiterhin eine gute Gastronomie und Sportmöglichkeiten wie im alten Asse Sport Center geben soll. Das macht es auch so spannend, diesen Ort gleichzeitig als Ausstellungsraum zu nutzen, denn auf diese Weise kommen sehr viele Menschen mit den Exponaten in Berührung. Die Plätze werden täglich von vielen Tennis- und Squashspielern genutzt, es finden regelmäßig Hochzeiten oder andere Feiern in unseren Räumlichkeiten statt. So geben wir den Künstlern die Möglichkeit, gesehen zu werden – und zwar nicht nur vom Ausstellungspublikum und nicht nur zur Vernissage.

Wie ist der Name KOMM entstanden?

IMG_0908Wir haben lange überlegt, was wir dem Objekt für einen Namen geben. Wenn wir dort etwas anderes als Sport etablieren wollen, müssen wir auf jeden Fall den Namen ändern. Man wird weder gute Künstler noch gute Musiker noch gutes Publikum dazu bewegen können, im Asse Sport Center Kultur zu machen oder zu erleben. Da ist uns dann der Name KOMM eingefallen: das passt zu „Kommunikation“, „komm rein“, „komm feiern“.

Fehlt solch ein Ort in Wolfenbüttel?

Ja, neben Kunstverein und Frühjahrssalon gibt es praktisch keine Präsentationsfläche für zeitgenössische Kunst in der Stadt. Man hat schon beim ARTGESCHOSS gesehen, wie gut so etwas ankommt. Dass auf Anhieb 500 Menschen zur Eröffnung kommen und sich Künstler so zahlreich auf die Ausschreibung bewerben, hätten wir nicht gedacht – zumal in einer kleinen Stadt wie Wolfenbüttel.

Wie sehen eure Räumlichkeiten aus, wo findet die Kunst in Zukunft ihren Platz?

Das KOMM hat insgesamt 5500m², 3000m² nimmtK800_IMG_8988 die Tennishalle ein. Die restlichen 2500m² bestehen u.a. aus Restaurantbereich, Clubraum und einem großen Saal. Der 300m² große Saal ist mit entsprechender Ausleuchtung und Hängung als klassischer Galerieraum konzipiert. Meine Vision ist es, auch in der Tennishalle eine große Ausstellung umzusetzen. Die Ausmaße dort sind gigantisch, und die Halle wäre daher auch für sehr große Installationen oder Skulpturen perfekt geeignet.

Los geht es jetzt mit der Ausstellung „peng“. Wie ist es zu dieser Ausstellung gekommen?

Über das ARTGESCHOSS habe ich viele neue Kontakte zu Künstlern geknüpft. Als sich abzeichnete, dass es mit dem ARTGESCHOSS nicht weitergehen würde, habe ich mit der Braunschweiger Künstlerin Manuela Karin Knaut und dem Wolfenbütteler Fotografen Barnhard Janitschke über eine Folgeveranstaltung nachgedacht, wobei sich das ehemalige Asse Sport Center als idealer Ausstellungsort herausgestellt hat. Daraufhin haben wir den Verein KOMMkultur e.V. gegründet. So haben wir auch die Möglichkeit, das Projekt öffentlich fördern zu lassen. Das ist v.a. im Kulturbereich wichtig, denn die Kosten für solch ein Projekt lassen sich kaum durch Einnahmen refinanzieren. Gleichzeitig möchten wir vermeiden, dass den Künstlern zusätzliche Kosten entstehen, wenn sie an der Ausstellung teilnehmen.

An wen hat sich die Ausschreibung gerichtet?

Wir haben die Ausschreibung zu „peng“ PENG TITELbewusst offen gehalten, um möglichst viele Kunstformen in die Auswahl einbeziehen zu können: Objektkunst, Installationen, Malerei, Fotografie. Die Ausstellung ist auch nicht streng themengebunden.

Was hat es dann mit dem Titel auf sich?

Manuela Karin Knaut hatte die Idee dazu. „Peng“ ist explosiv, experimentell, eben ein Startschuss für etwas Neues und bewusst künstlerisch sehr weit interpretierbar.

Was wird im KOMM neben Sport, Kulinarik und Kunst noch geboten?

Neben der Ausstellung veranstaltet unser Verein KOMMkultur eine Reihe exklusiver Live-Konzerte im KOMM. Der Braunschweiger Musiker und Produzent Oliver Belz (Buyù-Records, Bahama Soul Club) hat uns ein erstklassiges Konzertprogramm zusammengestellt: neben dem Bahama Soul Club (14. November) mit Tape Five sowie Club des Belugas (31. Oktober). Unabhängig von dieser Konzertreihe möchten wir mit dem KOMM auch eine Auftrittsmöglichkeit für junge Bands schaffen. Außerdem ist die Jazzinitiative Wolfenbüttel regelmäßig bei uns zu Gast.

Nina, vielen Dank für das Gespräch!

Text: Jan Engelken

Fotos: Nina Heptner/KOMMkultur e.V.

Ausstellung
KUNST IM KOMM „peng“
10.10. bis 01.11.2015
Vernissage: 9.10. um 19 Uhr
Finissage: 1.11. und 15 Uhr
KOMM, Schweigerstr. 8, 38302 Wolfenbüttel
Geöffnet: Mo-Fr 16-21, Sa 10-15, So 14-17 Uhr

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