„Als Musik noch richtig groß war“ – Der Barde ist zurück auf der Musikbühne

„Als Musik noch richtig groß war“ – Der Barde ist zurück auf der Musikbühne

Olli Schulz hat mit seinem neuen Album „Feelings aus der Asche“ dem Fernsehen den Rücken gekehrt.

Vor ein paar Jahren war Olli Schulz nur musikaffinen Menschen in der Independent- und Liedermacher-Szene bekannt. Mit seiner damaligen Band „Der Hund Marie“ produzierte er regelmäßig runde Alben, die – anknüpfend an die „Hamburger Schule“ – zwar nicht ganz die Blumfeld-Liga erreichten, aber dennoch dafür sorgten, dass Schulz mit seiner Combo eine Institution der Musik-Clubkultur wurde. Schulz hatte sich hartnäckig einen breiten Fan-Stamm erarbeitet und war damals schon bekannt für süffisante und selbstironische Statements auf der Bühne – damals meist als längere Ansage zu seinen Songs oder als Monologe, um Umbaupausen zu überbrücken.

live3Allein der Titel des ersten Albums von Olli Schulz und der Hund Marie konnte mit „Brichst du mir das Herz, dann brech´ ich dir die Beine“ Akzente setzen. Erschienen bei Grand Hotel van Cleef (GHVC), dem Label von Kettcar-Frontmann Markus Wiebusch und Tomte-Sänger Thees Uhlmann, war der im Jahr 2003 herausgebrachte Erstling durchaus ein hörenswertes Album. Es folgten weitere Alben bei GHVC und EMI und der einprägsame Song „Mach den Bibo“, mit dem Schulz beim Bundesvision Song Contest für Hamburg antrat. Parallel dazu forcierte Schulz seine Fernsehkarriere: zuerst mit einer eigenen (jedoch erfolglosen) Musiktalkshow im NDR und dann kurz darauf als Sidekick bei „neoParadise“ – noch im Spartensender ZDFneo – wurde der Musiker mehr und mehr einem breiteren Fernsehpublikum bekannt. In der Nachfolgesendung „Circus Halligalli“ konnte sich Schulz an der Seite von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf auch bei Pro7 durchsetzen. Die Rolle des Sidekicks im Samstagabendprogramm brachte ihm letztendlich mit „Schulz in the Box“ seine eigene Sendung bei Pro7. Auf dem Höhepunkt seiner Fernsehkarriere entschloss sich Schulz jedoch, zu seinen Wurzeln zurückzukehren und wieder Musik zu machen. Das zu Beginn des Jahres 2015 erschiene Album „Feelings aus der Asche“ ist das Ergebnis dieses Prozesses.

Mit Spannung erwartet brachte Schulz, nunmehr mit einer Band um den Liedermacherkollegen Gysbert zu Knyphausen am Bass, zehn Songs heraus, die – mehr oder minder nahtlos an alte Songstrukturen anknüpfend – wieder die Schulz-typischen Themen behandeln: die Liebe (So muss es beginnen), das Leben in der Großstadt (das kann hässlich werden), Trennungsschmerzen (Feelings aus der Asche). Musikalische und textliche Highlights der Platte sind dabei wieder die zutiefst selbstironischen Stücke. Mit „Passt schon“ nimmt Olli Schulz seine eigene Karriere auf die Schippe: „Ich komme in die Tanke und werd´ begrüßt mit Nachnamen. Und der Dönermann muss mich vor mir nachahmen. Er will noch wissen, ob ich wirklich so verrückt bin. Und irgendjemand schreibt, ich bin ein schwules Glückskind“. Damit knüpft er an den ihm eigenen Humor an, der ihn in „Circus Halligalli“ und „Schulz in the Box“ so viele Sympathien einbrachte. Auch der „BoogieMan“ ist ein Song, der hier ansetzt: „Halt mal kurz meinen Drink, ich komm gleich zurück. Ladies & Gentlemen: The King is Back!“. Eine kleine Reminiszenz an seine 2004 erschienene EP „Unten mit dem King“ und ein gelungener Schluss seines persönlichen musikalischen Kreises.

Absolute Highlights der Platte sind aber der Song „Phase“, zu dem Schulz ein durchaus sehenswertes Video mit der Schauspielerin und Moderatorin Palina Rojinski produziert hat sowie das laut gesungene Bekenntnis zu Schulz´ immer währender Leidenschaft: „Als Musik noch richtig groß war“. Ein Song, der die musikalischen Wurzeln des Hamburger Barden beschreibt und im imaginären Gespräch mit seiner Tochter wieder hervorholt. Olli Schulz ist – nach seiner Fernsehexkursion – wieder im Heimathafen Musik angekommen. Das Album verspricht viel, hält es auch und macht Vorfreude auf die anstehende Club-Tour.

Text: Anis Ben-Rhouma

Fotos: Oliver Rath, www.ollischulz.com

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