Bildband über BBK-Künstler: Andreas Greiner-Napp im Gespräch

Am 6. November wurde im Kunsthaus BBK das Künstlerporträtbuch „EINblick – 82 Künstler des BBK Braunschweig“ der Öffentlichkeit vorgestellt. 82 regionale Künstlerinnen und Künstler auf 192 Seiten – mit der Kamera porträtiert von Andreas Greiner-Napp. Wir waren bei der Präsentation vor Ort und haben mit dem Braunschweiger Meisterphotographen gesprochen.

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Andreas Greiner-Napp

Andreas, mit deinen Bildern eröffnest du dem Leser auf eine sehr persönliche Weise die BBK-Künstlerwelt. Wodurch zeichnet sich dein Porträtband aus?

Ein besonderer Aspekt des Buches war die Inszenierung der Künstler an den Orten ihres jeweiligen kreativen Schaffens oder an Orten, die sie besonders inspirieren.

Wie bist du dabei vorgegangen?

Ich habe mich mit den Künstlern verabredet und sie besucht. Dabei wusste ich in den meisten Fällen überhaupt nicht, was mich erwartet, es gab vorher keine Absprachen. Mein Auto war also rappelvoll, ich hatte immer meine komplette Fotoausrüstung für alle Eventualitäten dabei. Darüber hinaus habe ich den Künstlern zwanzig persönliche Fragen zur Auswahl gestellt, von denen sie sich bis zu fünf aussuchen und beantworten konnten. So kommen die Künstler selbst zu Wort und stellen sich dem Leser vor.

Wie sind diese Begegnungen verlaufen?

Von den 82 Künstlerinnen und Künstlern kenne ich vielleicht 20 persönlich. Die Begegnungen waren also in den meisten Fällen eine Art kreatives „Blind Date“.

Christin von Behrbalk. Foto: Greiner-Napp

Christin von Behrbalk. Foto: Greiner-Napp

Ein persönliches, authentisches Porträt von Menschen, die man kaum kennt – wie geht das?

Ich habe als erstes in Ruhe mit den Personen gesprochen, um ein Verhältnis zu ihnen aufzubauen. Dann habe ich unter Einbezug des Ortes eine Porträtidee entwickelt und umgesetzt. Sabina Kaluza habe ich zum Beispiel in einer Fabrikhalle besucht. Dort habe ich sie auf einen Stapel großer runder Partytische klettern und sich wie unter einer kleinen imaginären Glaskuppel bewegen lassen – das passt zu ihr als Performancekünstlerin, die viel mit Körperlichkeit und Bewegung arbeitet.

Johanna Seipelt

Johanna Seipelt. Foto: Greiner-Napp

Zwei Künstler, ein Porträt – kann das gutgehen?

Natürlich sollen auch die Künstler selbst mit ihren Porträts zufrieden sein. Jeder hat da seine eigenen Vorstellungen und man nähert sich in einem gewissen Rahmen an, aber Idee und Inszenierung stammen von mir. Ich hatte das letzte Wort, weil es mein Buch ist und ich dafür auch die künstlerische Verantwortung trage.

Wie lange hast du an den Porträts gearbeitet?

Ich habe letztes Jahr im November angefangen, also fast genau ein Jahr lang. Pro Termin waren ursprünglich zwei Stunden eingeplant, aber häufig ist es auch ein halber Tag und mehr geworden. Und man erlebt natürlich auch eine ganze Menge bei diesen Besuchen – viel Alltägliches, sehr Privates, aber auch einige sehr schräge und herrlich skurrile Momente.

Knud Balandis

Knud Balandis. Foto: Greiner-Napp

Du bist Photographiekünstler, hast selbst schon eine Menge ausgestellt und veröffentlicht. Wodurch unterscheidet sich „EINblick“ von anderen Projekten?

Ingo Lehnhof. Foto: Greiner-Napp

Ingo Lehnhof. Foto: Greiner-Napp

Ich habe schon öfter Bücher und Texte illustriert. Das Besondere an diesem Projekt ist, dass ich es ganz nach meinen Vorstellungen umsetzen konnte, es ist ganz meins. Wobei das natürlich nicht ganz stimmt, denn Ingo Lehnhof hat das Layout für das Buch gemacht. Wir haben damals zusammen studiert, verfolgen ähnliche künstlerische Vorstellungen und haben daher auch schon oft zusammengearbeitet. Das war natürlich für mich sehr charmant, mit jemandem zusammenzuarbeiten, mit dem ich auf einer Wellenlänge bin.

Nicht im BBK und trotzdem mit dabei: Kultphotograph Jim Rakete – wie ist es dazu gekommen?

Jim Rakete, den „Maestro aus Berlin“, kenne ich schon eine ganze Weile. Im letzten Jahr habe ich auch seine Ausstellung im Städtischen Museum Braunschweig mit aufgebaut. Jim Rakete widmet sich in meinem Buch eingangs dem Thema Künstlerporträt aus individuell-künstlerischer Sicht – durchaus kritisch übrigens. Eine kunstgeschichtliche Einordung nimmt anschließend Porträt-Experte Prof. Andreas Tacke aus Trier vor.

Dann bleibt eigentlich nur noch eine Frage offen: Wer hat eigentlich den BBK-Künstler Andreas Greiner-Napp für sein Buch fotografiert?

Mein Foto habe ich selber gemacht bei mir im Studio – also kein Selfie vor dem Spiegel, sondern mit Selbstauslöser (lacht).

Andreas, vielen Dank für das Gespräch!

Andreas Greiner-Napp: EINblick – 82 Künstler des BBK Braunschweig
Erhältlich im Kunsthaus BBK, bei Graff und über den VITA-MINE Verlag,
info@vitamine-verlag.de, 192 Seiten, 29,95 €uro.

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