Pop-Art-Legende James Gill in der Galerie Jaeschke

Pop-Art-Legende James Gill in der Galerie Jaeschke

Sein „Marilyn Triptychon“ hing schon im Museum of Modern Art in New York, noch bevor sein Weggefährte Andy Warhol Marilyn Monroes knallbuntes Porträt zur Ikone einer bahnbrechenden Epoche in der bildenden Kunst machte: James Francis Gill, Maler und US-amerikanischer Wegbereiter der Pop Art.

035Den Begriff Pop Art kennt heute fast jedes Kind, weil Pop Art die Kunst massentauglich machte. Und weil kaum etwas das Verhältnis von Kultur und Gesellschaft bis heute so nachhaltig prägt, wie die Idee, Kunst und Konsum zusammenzudenken. Gill war Teil einer illustren Künstlerszene: Andy Warhol, Edward Hopper, Jim Morrison, Dennis Hopper, Tony Curtis, alles Freunde oder Bekannte des Texaners. Und Christine Kaufmann hätte Gill wohl gerne nach Deutschland geholt, munkelt man. Aber er blieb in den USA und zog sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere unvermittelt aus dem Kunstbetrieb zurück. Lange malte er nur für sich allein, erst seit Kurzem tritt er mit seinem Spätwerk im klassischen Pop-Art-Stil wieder an die Öffentlichkeit.

Francis Gill im Gespräch mit Galerist Olaf Jaeschke.

James Gill im Gespräch mit Galerist Olaf Jaeschke.

Zur Ausstellungseröffnung in der Braunschweiger Galerie Jaeschke gibt sich der Meister höchstselbst die Ehre. Im Alter von achtzig Jahren macht er mit seiner Frau einen Kurztrip durch die Galerien Europas. Eine Legende in Braunschweig, Ehrfurcht und Bewunderung im Publikum. Der sympathische Texaner mit dem Stetson hat so einiges erlebt, gibt bereitwillig manche Anekdote zum Besten: eine von Andy Warhols „Soup Cans“ hätte er haben können, damals für 300 Dollar. Aber er wollte das Bild nicht haben, „nicht mal geschenkt“. „Ein großer Fehler“, gibt Gill lachend zu, denn heute sind die Werke fast unbezahlbare Klassiker.

033Für Braunschweig hat sich Gill etwas ganz Besonderes einfallen lassen: die limitierte Grafik-Edition „Rainbow Bug“, einen blauen VW Käfer vor regenbogenfarbenem Hintergrund aus der Hand des Meisters, exklusiv und nur in der Galerie von Olaf Jaeschke erhältlich. Eine Reminiszenz an den eigenen VW-Käfer von früher und ein Gruß an den in der Region ansässigen Weltkonzern. Gill sitzt an diesem Abend im Rollstuhl, sein Knie hat plötzlich Probleme gemacht, in den kommenden Tagen steht eine OP an. Aber der Mann, der bereitwillig Bilder und Kataloge im Akkord signiert, gibt sich unverdrossen: „Das nächste Mal wieder ohne Rollstuhl!“.

Text: Jan Engelken
Fotos: Stephen Dietl

Ausstellung
„James Francis Gill“
bis zum 18. April
Galerie Jaeschke
Schuhstraße 42

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