Science Slam XIII im Haus der Wissenschaft

Science Slam XIII im Haus der Wissenschaft

Dunkelheit, Regen, Wind: für viele BraunschweigerInnen ist der 29. November um 20:00 Uhr schon längst gelaufen – im Haus der Wissenschaft geht es jetzt erst richtig los. Mit dem 13. Braunschweiger Science Slam halten einmal mehr die wärmende Fackel wissenschaftlicher Erkenntnis und eine angenehme Brise gediegene Unterhaltung Einzug in die Aula im 3. Stock.

Seit 2008 veranstaltet das Haus der Wissenschaft regelmäßig den Science Slam und seine Popularität unter Studierenden und Wissenschaftsfreunden aller Altersklassen ist ungebrochen. So ist auch diesmal pünktliches Erscheinen an der Abendkasse angesagt, denn Slam-Programm und schmale 3 Euro Eintritt sorgen wieder einmal für eine gerammelt volle Aula, inklusive Empore und Fensterbänken: Organisatorin Britta Eisenbarth vom Haus der Wissenschaft spricht von deutlich über 200 BesucherInnen an diesem Abend.

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Ausverkauftes Haus im Haus der Wissenschaft

Ein Science Slam ist ein Kurzvortragsturnier: NachwuchswissenschaftlerInnen präsentieren ihr Forschungsgebiet möglichst prägnant, unterhaltsam und allgemein verständllich dem Publikum, das die Kurzvorträge anschließend bewertet und damit den Slam-Sieger kürt. Das sei an dieser Stelle deshalb noch einmal erwähnt, weil der Braunschweiger Science Slam nicht nur über ein großes Stammpublikum verfügt, sondern auch immer wieder Slam-Neulinge anzieht und begeistert.

Das zeigt sich auch an diesem Abend – und so kommt ein gut aufgelegter Moderator Roland Kremer (wie immer) nicht darum herum, das übersichtliche Abstimmungs-Regelwerk eingangs noch einmal zu erläutern. 30 Sekunden später: Startschuss für den Science Slam XIII im Kampf um das „Goldene Hirn“ im Haus der Wissenschaft!

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Christian Oettel: „Das kühle Gold“

Was hat das Bierbrauen mit Kaffeezubereitung zu tun? Schematisch betrachtet so einiges, weiß Christian Oettel vom Institut für Chemische und Thermische Verfahrenstechnik der TU Braunschweig zu berichten – und er muss es wissen: als Mitglied der studentischen Braugruppe „Carl-Wilhelms-Bräu“ hat er gerade erst den zweiten Platz beim vierten internationalen Brauwettbewerb in Hamburg gewonnen. Die Entstehung dieses „Steinbiers“ schildert Oettel anschaulich in seinem Vortrag „Das kühle Gold“. Sehr schade: da das Steinbier nicht dem strengen deutschen Reinheitsgebot entspricht, bleibt die Verkostung exklusiv den beteiligten BrauerInnen vorbehalten.

Protagonist des nächsten Vortrags ist Tom, ein bebrillter Smiley mit starken Stimmungsschwankungen. Tom steht für einen Wissenschaftler, dessen Laune umso schlechter wird, je größer die Informationsflut ist, die auf ihn einbricht: eine kritische, an den begrenzten Möglichkeiten menschlicher Wahrnehmung orientierte Sichtweise des Phänomens Big Data. Christian Stein vom Exzellenzcluster Bild, Wissen, Gestaltung der HU Berlin zeigt in seinem Vortrag, dass Big Data nicht nur unspezifisch zur ökonomischen Verwertung und staatlichen Kontrolle persönlicher Daten genutzt werden kann. Sein Ansatz sieht eine themenspezifische Strukturierung und Vernetzung wissenschaftlicher Netzinhalte vor, die genau auf den individuellen Bedarf des einzelnen Wissenschaftlers ausgerichtet sind. Hiervon profitieren durch Vernetzung alle NutzerInnen, die darüber hinaus die Kontrolle über ihre persönlichen Informationen behalten. Platz 3 für den gut strukturierten und unterhaltsamen Beitrag „Vermessenheit der Wissenschaft“!

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Christian Stein: „Vermessenheit der Wissenschaft“

Lach- und Sachgeschichten – das ist eigentlich auch ein passendes Motto für einen Science Slam. Diese stimmige Idee bringt Bianca Gursky vom Institut für Flugsystemtechnik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Braunschweig auf die Bühne vom Haus der Wissenschaft. Sie arbeitet in einem EU-geförderten Projekt, das den Helikopter als Verkehrsmittel der Zukunft und Auto-Alternative erforscht. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Vereinfachung der komplexen Steuerung eines Hubschraubers. In Anlehnung an den „Klaus“ schildert Gursky, wie die Bedienbarkeit eines virtuellen Helikopters der Zukunft mit dem Schmuckstück des DLR in Braunschweig, dem In-Flight-Simulator EC 135 FHS, simuliert werden kann. Die dem Vortragstitel entsprechende Vision „Fliegende Autos“ kann nicht vollständig überzeugen – der unterhaltsame Slam-Beitrag im Stil der „Sendung mit der Maus“ dafür umso mehr: Platz 2!

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Die Maus und Bianca Gursky über „Fliegende Autos“

An einem gleichermaßen aktuellen wie komplexen Thema versucht sich Olaf Schilgen von der Royal Economic Society. Er fragt „Finanz-, Geld- oder Ökonomie-Krise?“. Zu diesem Zweck versucht er, zum Kern des abstrakten Phänomens Wirtschaft zu gelangen und stellt dabei fest, dass gerade der zentrale Einkommensindikator einer Volkswirtschaft, das Bruttosozialprodukt, keine konkreten Rückschlüsse auf das Zustandekommen der Wirtschaftskraft zulässt. Erschwerend hinzu kommt, dass das unspezifische BSP auch die Umsätze am Kapitalmarkt beinhaltet und sich so noch weiter von der realen Waren- und Dienstleistungsökonomie entfernt. Als Einheit des BSP und als Tausch- und Zahlungsmittel ist Geld zwar Medium der Wirtschaftsleistung, es sagt aber nichts über das Wirtschaften an sich. Für Schilgen ist die Wirtschaftskrise folglich eine Definitionskrise, eine Krise des Bewertungsmaßstabs für Wirtschaftsleistung. Leider wird neben dem Kern der Wirtschaft auch der Kern von Schilgens Vortrag nur bedingt klar, auch wenn sein Denkansatz hochinteressant und vielversprechend erscheint.

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Patrick Harms: „Musikability“

Save the Best for Last: Über den Slam-Beitrag von Patrick Harms vom Institut für Informatik der Georg-August-Universität Göttingen kann man vor allem sagen, dass man mal dabei gewesen sein sollte. Harms beschäftigt sich mit dem Thema Usability, er misst die Bedienungsfreundlichkeit von Websites. Der Clou an seinem Vortrag: er demonstriert gute und schlechte Usability beispielhaft anhand von Schlagermusik – „Musikability“ eben, wie der Vortragstitel sagt. Bekannte Melodien veredelt er dabei mit Gesang und eigenen, humorvollen Texten, die das nicht ganz einfache Verhältnis zwischen Programmierer und User thematisieren. Als Sänger bleibt Harms noch Luft nach oben, als Slammer ist heute Abend keine Verbesserung mehr möglich: Platz 1!

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Gewinner Patrick Harms mit Slam-Moderator Roland Kremer

Toll, wie sich diese spezielle Form von akademischem Infotainment in Braunschweig fest etabliert hat. In diesem Sinne: Bis zum nächsten Science Slam im neuen Jahr und „good night, good fight“!

(je)

Fotos: Stephen Dietl

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