SH(AD)OW MEN – Neues Schauspiel vom Stör & Fried Theater

SH(AD)OW MEN – Neues Schauspiel vom Stör & Fried Theater

Hallo lieber Leser, liebe Leserin,

mein Name ist Malte Kettler, und dies ist eine Warnung: Der folgende Text ist eine Anzeige. Sie wissen schon, diese besonders hinterhältige Art von Werbung, die in Optik und Präsentation einem Zeitungsartikel aufs Haar gleicht, um den Anschein einer unabhängigen, objektiven Berichterstattung zu erwecken. In Wahrheit aber ist dies eine gemeine Marketingkampagne, die nur ein Ziel verfolgt: Sie und all Ihre Freunde ins Theater zu locken.

Genauer gesagt, in das Stück SH(AD)OW MEN. Jedoch, ins Staatstheater oder ins LOT oder in die Komödie am Altstadtmarkt lade ich Sie nicht ein. Nein, dies ist eine Einladung fürs Laientheater. Sie schlucken? Es kommt noch schlimmer: Für studentisches Laientheater mit semiprofessionellem Anspruch. Keine Angst, ich verstehe Ihre Skepsis. Immerhin ist studentisches Theater – hoher Anspruch hin oder her – eigentlich nichts anderes als Schultheater, nur dass diesmal keins von den eigenen Kindern mitspielt, um das Ganze halbwegs erträglich zu machen. Aber vielleicht haben Sie ja nichts Besseres zu tun? Natürlich haben Sie das! In Braunschweig ist Satirefest, da geben sich die Komiker die Klinke in die Hand. Im Kino läuft bestimmt was mit Til Schweiger. Und der 15. ist ein Sonntag, also Tatort-Tag. Da kann man schwer gegenhalten.

Aber vielleicht lieben Sie ja studentisches Theater. Und hassen, aus mir unerfindlichen Gründen, Til Schweiger und Lagerfeuerkrimis. Vielleicht sind Sie jemand, den dieser arg konstruierte Artikel anspricht. Dann sage ich: Warum nicht? Schauen Sie sich SH(AD)OW MEN an. Wer kann schon sagen, was gut ist und was nicht? Um diese Frage dreht sich immerhin, Sie haben es sicher kommen gesehen, auch das Stück.

Gitarre(c)Matthias Wesemann

Ausgestattet mit den verschiedensten Talenten bewerben sich sieben Menschen um einen Job. Sie warten gemeinsam, wie lange, weiß man nicht genau, auf eine Entscheidung der Jury. Doch die Jury ist zerstritten, hungrig und müde, sie lässt sich Zeit. Der Fernsehkoch fragt sich, ob’s geschmeckt hat, der Schlagerstar wundert sich, ob sein Vortrag auch unter zwei Promille funktioniert. Die Schamanin meditiert, der Luftpostdramatiker zitiert, alle präsentieren sich der Jury, ringen um Anerkennung und hadern mit dem Schicksal. Umsorgt und terrorisiert werden sie dabei vom Schattenmann, einer ominösen Gestalt aus der Zwischenwelt des mittleren Managements, in der Seelen zerrissen und Träume gefressen werden. Wer wird am Ende gewinnen? Was passiert zwischendurch? Und was hat diese Ratte damit zu tun?

SH(AD)OW MEN ist eine Farce über Bewerbungssituationen im Allgemeinen und Castings im Besonderen. Dabei unterscheidet das Stück nicht zwischen DSDS und dem Vorstellungsgespräch bei VW. In beiden Fällen setzt sich ein hoffnungsvoller Aspirant dem Werturteil wildfremder Menschen aus, sucht man sich das Urteil Außenstehender, um sich selbst in Beziehung zum Rest der Welt setzen zu können. Das Stück versucht, die Absurdität dieser unvermeidlichen Selbstentleibung von ihren komischen wie tragischen Aspekten her gleichermaßen zu beleuchten.

Und für die Freunde der untergürtellinigen Unterhaltung: Es gibt eine wilde Kochshow mit erotischem Beigeschmack, viel nackte (Männer-)Haut, Film- und Hörspiele mit Schulhofhumor sowie ein Sprach-Duell mit Zitaten aus Bud-Spencer-Filmen …

Maske(c)Matthias Wesemann

Auf die Bühne bringt das Ganze Stör & Fried Theater, einer Gruppe fanatischer Theaterliebhaber, zu deren Mitgliedern ich mich zählen darf. Die größtenteils aus aktiven und ehemaligen Studierenden der TU Braunschweig bestehende studentische Vereinigung bringt mit SH(AD)OW MEN bereits ihr siebtes Stück auf die Bühne. Es ist allerdings das erste Mal, dass wir ein Stück auch selbst geschrieben haben.

Genauer gesagt sind die Autoren Anna Daßler und meine Wenigkeit. Der Umstand, dass ich Co-Autor bin, trägt sicherlich auch in nicht unbeträchtlichem Maße zu meinen Werbeanstrengungen bei. Denn, wenn ich als Autor vor irgendetwas Angst habe, dann, dass niemand da ist, um sich mein Stück anzuschauen. Ich fänd‘ es schade, wenn all die Arbeit, die sich die Ensemblemitglieder wie auch die einbezogenen Künstler und Musiker für das Stück gemacht haben, ungesehen verpuffte.

Sie glauben, ich will damit Ihr Mitleid erregen? Da setze ich noch einen drauf. Ich habe einen großen Teil des Stücks im Krankenhaus geschrieben, während man mich mit Chemotherapie vollgepumpt hat. Das Schreiben hat mir ermöglicht, in einer schwierigen Phase meines Lebens meine Zeit mit etwas Sinnvollem zu füllen. Daher ist mir das Stück ziemlich ans Herz gewachsen. Und wenn Sie mir jetzt an den Kopf werfen wollen, dass es schamlos ist, ein Thema wie Krebs auszunutzen, um ein Theaterstück zu bewerben, dann kann ich Ihnen nur Recht geben. Am besten Sie geigen mir Ihre Meinung persönlich: am 6., 7., 14. oder 15. März, jeweils um 20 Uhr im Roten Saal Braunschweig.

Text: Malte Kettler

Fotos: Stör & Fried Theater

SH(AD)OW MEN - Flyer(c)Sascha Dettbarn b

SH(AD)OW MEN
Premiere am Freitag den 6. März um 20 Uhr im Roten Saal
Weitere Vorstellungen am 7., 14. und 15. März
Eintritt 8 Euro (erm. 4 Euro)
Karten unter www.suf-theater.de oder telefonisch unter 0157 773 559 00

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